Druckschrift 
Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
Entstehung
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von George und Lechter auf dem Gebiete der Buchkunst etwas Neues: inFortsetzung der vom Dichter begonnenen Linie wurde der gesamte Auf-bau eines Buches in e i n e künstlerische Hand gelegt. So entstand durchdie gleiche Vorstellung der beiden Geister von der Hoheit des dichte-rischen Gebildes und ihren Willen nach einer seiner würdigen äußerenForm das kostbare aus den besten Stoffen hergestellte reichgeschmückte,kurz das sakrale Buch, das in seiner Gestalt schon den Ernst und die Wuchtdes Gehaltes bezeichnen soll. Nehmen wir zum Verständnis der Entwick-lung der Blätter-Bücher auf dieser Linie in den folgenden Jahrzehnten zu-nächst einmal voraus: die Vereinigung des Dichters und des Künstlers be-ruhte nicht auf einer Gleichheit ihrer Ansichten über die Buchgestaltung,sondern stellt sich als Spannung zweier fast entgegengesetzter Willen dar,die nur durch die Lust zu gemeinsamem Wirken möglich und fruchtbarWurde. George ging von der Handschrift aus, das gedruckte Buch solltedem geschriebenen so ähnlich als möglich werden, er liebte das Einfache,Schmucklos-Klare, seine Aufmerksamkeit galt dem Buchstaben und demBuchstabenaufbau der Seite, er suchte daher nach einer seiner Hand-schrift entsprechenden Drucktype. Er hat aus einer vorgefundenen geeig-neten Antiqua allmählich durch Ausmerzung und Neuschneiden derleisten Buchstaben in drei Jahrzehnten die St.-G.-Schrift gewonnen undarbeitet auch heute noch an ihrer weiteren Durchbildung. Sein Ziel war:durch die fast ungemindert gleichmäßige Stärke des Strichs mit geringen^b- und Anschwellungen eine vermehrte Wucht der Kleinbuchstaben zue rreichen, dabei aber die Stärke zugleich so maßvoll und biegsam zu hal-te n, daß die enge Zurichtung der Buchstaben zum Wortbild, der enge An-schluß zur Bildung einer dichten Zeile und die feste Fügung der Zeilen zumgeschlossenen Block möglich blieb. Es liegt darin das für jedes künstle-r ische Verhältnis von Teil und Ganzem wichtigste Streben nach einemGleichgewicht von Vereinzelung und Verbindung, das in der Bruch-schrift wie überhaupt im Barock einseitig zugunsten der Verbindung alsoe mer malerischen Lösung gestört worden war. Die St.-G.-Schrift hat diegriechische plastische Lösung, die Gleichwertigkeit von einzelnem TeilUnd verbundenem Ganzen, auf dem Uberlieferungsgrund der Karolinger-Minuskel und der venezianischen Humanisten-Druckschrift aber im neuendeutschen Formgefühl wieder hergestellt.

Lechter hatte zu dieser Frage der Schriftgestaltung keine innere Be-gehung und hat sich nie an ihr versucht. Seine Handschrift besteht ausdünnstrichigen Großbuchstaben der eckigen Kapitale mit nur geringen un-t! alen Rundungen und eine Druckschrift von Kleinbuchstaben ließ sichaJ so aus ihr nicht entwickeln. Aber auch eine geschlossene Druckschrift

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