gen schrittweisen Vorgehen die Drucklegung seiner Werke auf. Wir kön-nen uns heute nur noch auf rückschauenden Ausstellungen einen Begriffdavon machen, auf welche Stufe der Scheußlichkeit die europäische Buch-kunst zumal die deutsche im Laufe des 19. Jahrhunderts herabgesunkenwar. Mit der wachsenden Masse der Erzeugnisse und dem stetig gesteiger-ten Fortschritt der Maschinentechnik geriet die künstlerische Ausstattungder Bücher wie die Entwicklung der Druckschrift selbst in einen trost-losen Niedergang. Die Schreckensherrschaft der schwülstigen Prachtwerkebegann damals ihr fürchterliches Wesen zu treiben. Ihr zusammengewürfel-tes Etwas von schlechtem Glanzpapier, schlechtem Druck, unmöglichenOrnamenten und protzigem Goldschnitt und Goldlederpressung beleidigteJeden guten Geschmack und selbst Max Klingers „Amor und Psyche" ausdem Jahre 1880 konnte sich trotz mancher schönen Einzelerfindung nichta Us dem Banne des „Illustrations"-Werkes lösen. In den gewöhnlichenBüchern aber kam nicht einmal mehr ein mittelmäßiger Handwerksge-schmack zur Geltung. Eine Fülle von Schriftarten und Zierformen allerJahrhunderte, Schnellpresse, Gießmaschine und unzählige ausgebildeteVervielfältigungsverfahren standen den Setzern und Druckern zur Ver-fügung, aber alles wurde nach erstarrten Regeln, sinnlos gewordenen Vor-bildern und ohne jeden künstlerischen Gedanken gebraucht und führte zuJenem schmierigen Druck auf schlechtem Löschpapier, zu jenen elend ge-hefteten Bogen und verpfuschten Einbänden, in denen man kaum einene dleren Inhalt zu vermuten wagt und die in der Tat dem gleichläufigenZerfall des Sprachbaues in den meisten Fällen entsprachen. Zwei Strömun-gen des Auslandes wirkten auf diesen Zustand in Deutschland am Beginnder 90er Jahre ein: von Frankreich kam der neue Plakatstil, in dem einigeVerleger ein gutes Ausrufmittel für den Inhalt und ein gutes An-r eizmittel für den Verkauf ihrer Bücher erkannten und der zu denschreienden Buchumschlägen der Naturalisten führte, von deren unsag-barer Geschmacklosigkeit eine jüngst stattgehabte Gerhart-Hauptmann-Ausstellung viele Beispiele gab. Von England kam aus der Bewe-gung der Präraffaeliten geboren, von Burne Jones, William Morris undErnery Walker getragen, das Vorbild für eine ästhetische Belebungdes Buchgewerbes. Morris und seine Freunde hatten schon seit 1859eine Erneuerung des englischen Kunstgewerbes auf fast allen Gebieten ein-geleitet und auch wieder handgeschriebene und illuminierte Bücher ge-schaffen. Aber erst 1891 richteten sie nach manchen vorbereitenden Stu-dien und Arbeiten die Kelmscott-Presse ein, deren künstlerisch und hand-werklich vollendete Bücher von außerordentlicher Wirkung für den ganzeneuropäischen Buchdruck wurden. Nach Deutschland kamen sie frühzeitig
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