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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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deutschen Gelehrten, ewigen Protestlern gegen jede geistige Bindung undunentwegten Verteidigern der bedrohten freien Persönlichkeit, welche umder neuen Schrift willen gegen Jüngere oft den Vorwurf der Aufgabe ihrerSelbständigkeit erhoben haben, geben wir zur Sache folgendes zu beden-ken: erstens daß die Schreiberhände in einer schönen Schrift sich nicht nurebenso deutlich sondern deutlicher in ihren Charakterzügen unterscheidenals die einer unschönen flüchtigen und gemeinen wie jeder weiß derSchriften älterer Zeiten zu lesen und zu deuten hat, zweitens daß sieselbst mit ihrer sogenannten deutschen Schrift nichts anderes sind alsNachahmer des königlichen Geheimsekretärs Hilmar Curas, dessen Kanz-leischrift auf Befehl des Preußenkönigs mit dem Krückstock zur Allein-herrschaft gelangte.

Der Vereinfachung der Buchstabenformen entsprechend vereinfachteGeorge auch die Rechtschreibung, in deren Säuberung von barocken Ele-menten ihm die staatliche Unterrichtsverwaltung schon vorangegangen,aber auf halbem Wege stehengeblieben war. Wir erwähnten schon dieKleinschreibung der Hauptwörter, deren Großschreiben nichts anderes alsein staatlich geregeltes Überbleibsel der barocken Gewohnheit ist, einzelneWorte und keineswegs nur die Hauptwörter, sondern auch Zeitwörter, Bei-wörter und andere, wahllos je nach der Schnörkellaune des Schreibersgroß oder klein zu schreiben, wie man noch aus Goethes Handschriften er-kennen kann einer Gewohnheit, welche die meisten Völker, die sie da-mals angenommen hatten, längst wieder aufgegeben haben. Aus demselbenlaunenhaften Ausschmückungstriebe stammten auch die massenhaftenBuchstabenhäufungen, die sinnlosen oft doppelten und dreifachen Deh-nungszeichen der Barockschreibweise, die wir erst ganz allmählich wiederabgetragen haben, ohne doch bis zu den einfachen Gesetzen vorzudringen,wie sie etwa die mittelhochdeutsche Schreibweise hatte. George ließ wenig-stens bei der unaussprechlichen Verbindung t z t das erste t fallen. Aberhier wie auch in der Frage der Satzzeichen enthielt er sich jeder eiferndenAusschließlichkeit und suchte nur das Umständliche und Überflüssige zubeseitigen. Er wollte keinen Kanon aufstellen, sondern glaubte, daß dieLesezeichen sich dem Stil eines Schriftstellers anpassen müßten: in derProse fördere ihre möglichste Beschränkung die Klarheit und Abgewogen-heit des Satzbaues, in der Dichtung seien sie bei einfachem strofischernBau, wo sich die meisten Einhalte durch die Metrik ergäben, fast unnötigfür den der ein wenig rhythmisches Gefühl besitze: ihre sparsame Anwen-dung erschwere höchstens dem flüchtigen Leser das Verständnis derDichtung, wie es in den ersten Folgen der Blätter heißt. Auf den für dieHandschrift gewonnenen Grundlagen baute George in dem gleichen ruhi-

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