ei gentümlichen Schreibweise ausprägte, wußte er von all den geschicht-lichen Entwicklungen und den eben begonnenen Streitbewegungen in derSchriftfrage noch nichts. Aus innerem Trieb hatte er schon in seiner Ju-gend die Gedichte so schön als möglich aufzuzeichnen gesucht und übtedieses Tun von Werk zu Werk solange weiter, bis er allmählich die ihmgemäße Schrift zur Aufzeichnung von Gedichten im vollendeten Werk-stück gewann und ausgestaltete. Er ergriff dabei ohne bewußtes Vorbildeine Grundform der Schrift, welche die meiste Ähnlichkeit hat mit der altenKarolingerminuskel und zwar mit der der Kapitale verwandten scriptura°ünuta erecta. Die Buchstaben sind also zur Bildung der Wörter ohne Ver-bindung aneinandergesetzt und zwar mit dem schon früh auftretenden undständig wachsenden Bestreben, die ungleichen Höhen und Unterlängen"erabzumindern. K und T wurden daher nach und nach auf die zweilinigenFormen dieser Buchstaben in der alten Minuskel zurückgeführt und eben-So wie die Form von £ stärker dem dorischen Alphabet, der ursprüng-lichen Wurzel des lateinischen, angeglichen. Die Ober- und Unterstückev °n d f g h 1 p q wurden möglichst gekürzt und Großbuchstaben nurar n Anfang des Verses, aber nicht innerhalb der Zeile, also auch nicht beiden Hauptwörtern angewendet. Alle Buchstaben erhielten im Laufe derSchriftgestaltung immer mehr ein angemessenes Verhältnis von Höhe undbreite, eine ruhige abgewogene Rundung und klare Gestaltung, in welcher°hne jeden überflüssigen Zusatz nur die zur Formung des Buchstabenbil-des notwendigen Züge gezogen werden. Die Großbuchstaben beruhen aufder alten Kapitale sind aber meist ebenfalls weich gerundet und durch dieVereinfachung von KT£ den Kleinbuchstaben mit wenigen Ausnahmenln allen Zügen gleich. George bildete so auf unserem besten germanisch-omanischen Erbe fußend, ohne es nachzuahmen, die ihm eigentümliche"andschrift aus, welche durch die genaue Nachbildung seiner Niederschriftder Dante-Stellen (1909) und aus den Tafeln in der Gesamtausgabe seinerWerke bekanntgeworden ist. Aber längst vor der Veröffentlichung dieserProben hatte sein Vorbild und seine Forderung, das Schöne schön zuschreiben und sich für Dinge, welche einer besonderen Sorgfalt würdigsind, auch die nötige Muße zu gönnen, auf seine Gefährten und die Kunst-'erkreise seiner Bekanntschaft gewirkt und die Kunst des Schönschreibensa üf der von ihm gewonnenen Grundlage erneuert. Manche der öffentlich-st unbekannte Tafeln und geschriebene Bücher sind seitdem entstanden,Welche den Vergleich mit früheren Werken der Schönschreibekunst nichtz « scheuen haben, und durch die stille aber stetige Anregung solcher vonWand zu Hand gehenden Stücke regt sich heute in weiteren Kreisen derKunstgewerbeschulen auch in diesem Zweige wieder neues Leben. Den
143