der Kunst, aus Lauten Farbenwunder zu schmelzen, hat er die Höhe seinerKraft erreicht". So hat Klages und ähnlich immer wieder haben die Dich-ter selbst die rätselbeladene Glut und die mit allen Tonzaubern schwin-gende Sprache dieses Werkes empfunden und auch vielen, die sonst fremdvor der Dichtung Georges standen, hat es die volle Süße und der satteWohllaut dieser Strofen angetan und die Verlockten wurden und werdenohne es zu merken mit fremden Düften und Giften getränkt, wo sie Luftder heimatlich vertrauten Landschaft und romantisch unverpflichtendeGenüsse zu atmen glauben. Denn freilich hat George im JAHR DER SEELEein Element unserer Sprache, das die romantische Dichtung erworbenhatte und das schon völlig verloren zu gehen drohte, die Klangfarbe, dasmusikalisch Rauschhafte gerettet und freilich hat er es gerade in seinerUrsprungs-Verbindung mit den Sinnbildern der Natur zu neuem Leben er-weckt und ebendarum dem Meister der landschaftlichen Träume und derklangerregten tonberauschten Sätze Jean Paul schon in der dritten Folgedie Lobrede gewidmet. Aber die Musik seiner Landschaften und Sterneist nicht mehr vergleitendes Schwärmen noch versprühende Verzückungder romantischen Seele, sondern die neue der harten leibgebundenen Seeleund unter dem scheinbar vertrauten und farbigen Kranz der Natur schautdas anteillose Auge des Künstlers nicht weniger fest erhaben und geheim-nisvoll als aus den Säulenhallen des ALGABAL.
8. KAPITEL: SCHRIFT UND DRUCK
DAS JAHR DER SEELE war das erste Buch Georges, dessen Ausgabevon Melchior Lechter besorgt wurde. Es ist den Bücherkundigen be-kannt, daß sich von diesem Buch der Beginn einer neuen künstlerischenBewegung der Buchausstattung herschreibt, aber die wenigsten kennendie Leistung Georges auf diesem Gebiete in den sieben Jahren, welche demErscheinen jenes Werkes vorausgegangen waren. Wir nehmen daher Ge-legenheit, dieses bisher übergangene Geschehen im Zusammenhang zu be-trachten.
Soweit wir die Zeiten übersehen können, haben Sprache und Schrift derVölker stets in inniger Verbindung miteinander gestanden, sie sind fürden Historiker die sich bedingenden Wertmesser für die Bildung einesVolkes zu einer gegebenen Zeit, und wie eine hohe Sprachbildung mit sorg-fältiger Schriftverfassung Hand in Hand geht, so spiegelt eine schlechteund vernachlässigte Schrift mit Bestimmtheit die Verwilderung derSprache wider: der Kundige kann an den Runenzeichen der Schrift von
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