'St ein Schauen rückwärts und vorwärts: auf die eigene Wegsuche, auf diefrühen kindlichen Schmerzen des Vorbestimmten, die ersten einsamenKämpfe des Jugendlichen, das reife Wissen um die Leiden der königlichenHöhe und die noch drohenden auf der Bahn nach dem Mittag des Lebens.Der zweite Teil enthält die Erinnerung an Tage und Nächte des frohen undschmerzlichen Liebens, der freudigen Gesellung am heimatlichen StromUnd Ufer, der quälend beglückenden Wachen unter dunkelndem Stern.Der dritte bringt das ernsteste Spiel: „Eure flüchtig geschnittenen Schat-ten zum Schmuck für meiner Angedenken Saal": die weiblichen, wie dieScheu es erfordert, ohne Namen, die männlichen mit den Initialen bezeich-ne t, zwölf Gefährten nach eigner Würde und dem Beginn der Freundschaftgereiht, wie wir sie kommen sahen. Diese Achtzeiler sind Gestaltung,Dank und Urteil zugleich, sie umreißen die Person, stellen sie in den Luft-kreis ihrer Landschaft und ihres geistigen Wirkens und berühren mitMännlich-keuscher Zartheit aber fest und offen das Verhältnis der Freund-schaft, in dem der Dichter zu jedem steht, die Beziehung zum Werke, dieer mit jedem teilt. Er bannt mit den Schattenrissen der Gefährten die ganzeJunge Glut der Lebens- und Werkgemeinschaft dieser Zwölfe, von denender jüngste achtzehn, der älteste zweiunddreißig Jahre war, in das JAHR£>ER SEELE — wie der Gärtner Gewächse in den neuen Garten pflanztm it einem Segensspruche und dem stillen schweigenden Blick der sagt,daß er pflanzen und pflegen kann, aber den Willen der Himmel nicht kennt.Der leiseste Stolz und die leiseste Schwermut des Jahres ruht über denGefährtensprüchen, voll und reif hängen ihre Früchte inmitten der Ge-zeiten.
Voll und reif ist Blick und Farbe, Maß und Klang in diesem Buche,° e laden mit der ganzen Glutschwere der beginnenden Lebenshöhe desRichters, gesättigt von der Fülle der Gesichte und dem gewonnenen Reich-tum menschlichen Gutes, getragen von der Erwartung wachsender Liebe."Jeder Rest spröder Glasstärke ist geschwunden. Alles hat sich gelockert,•st zerlöster, schmelzhafter, aromatischer geworden. Nichts mehr vomschmalen Stolz zierdeloser Säulen, vom nackten Brennen herrischer Wände:We hflackernde Ranken und tiefweiche Moose haben die zerbrochene Vor-zeit wuchernd umkleidet. Wir sind auf neuem Land und in anderer
Zeit-------------Im JAHR DER SEELE stehen die tönendsten Verse, die Ge-
° r ge geschrieben, Verse die lind gleiten wie lautere Bäche über geheimnis-v °U-funkelndem Grund und die gleich dem dunkelblinkenden Wasser-spiegel weder Kanten noch Sprünge zeigen. Sehr häufig ist bei George^e Tonsilbe kurz, im JAHR DER SEELE selten oder nie. Härten der Ab-folge der Vokalklänge werden wir hier am wenigsten begegnen und in
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