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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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res, so im ersten mit den blühenden reifenden und welkenden Geschöpfen,mit den strahlenden fließenden und starrenden Elementen des irdischenJahres, ist sie die herbstliche Liebe, das schüchterne kurze Geleit, zumScheiden vorbestimmt wie die reife Frucht zum schnellen Verzehr, aberGedenken ihrer Süße lassend für trübe Zeit ist die winterliche Liebe, einwinterlicher Fund, ein stummes Leidvom geist der flur aus der wir stie-gen" angetan mit allen Schimmern der starren Kristalle, umworben mitaller Wärme des hoffenden Lebens, aber trostlos wie ihr Ursprung im Reifder Qualen und darum zerbrechend vor dem Lenzsturm wie die Eisdeckedes Stroms ist die sommerliche Liebe, die alle Schmerzen vergessenmacht, die im Reich der Sonne und Freudeals dankbereite Gäste" zu lebenlehrt und einmal in der lohnenden Stunde mit Kuß und Einung das ganzesüße Leben füllt, die in offenem Schmerze endet, aber neues Erwachen er-hofft. Der Dichter hat selbst verwehrt nach Ich und Du dieser Liebe zu fra-gen, was hier sich sehnt und stirbt und wieder sehnt, was hier glüht, ver-geht und wieder glüht, ist ununterscheidbar Liebe zur Geliebten und Liebezur Schöpferlust, leidenschaftlicher Drang des Blutes wie leidenschaft-liche Glut des Geistes, ist neue Seele, ist das willkürlose Wachsen undWandeln und Welken wie der Geschöpfe der Erde, nötiger Anfang und nö-tiges Ende unter dem brennenden, reifenden oder kältenden Gestirn. DerPulsschlag der Liebenden schlägt im gleichen Takt mit tropfenden Strah-len, fallenden Früchten, rieselndem Schnee und brausendem Anbruchswind.Denn Seele und Leben aller Gezeugten und Gewachsenen, Seele und Natur,sind eines Schicksals geworden und alles Geschehen vom Schimmer desSteins bis zum Klopfen menschlicher Herzen, ja bis zum höchsten Schaf-fen des Geistes sind Äußerungen des einigen Lebens, Erscheinungen desewigen Alls in diesem Augenblick, an diesem Ort, in dieser Gestalt, nie sogewesen, nie so kehrend, so nur Jetzt und Hier.

Immer körperhafter, immer herznäher wird dieses Jetzt und Hier zurMitte hin im JAHR DER SEELE. Im zweiten Gedichtkreis wie fast immerim Georgeschen Werk liegt die dichteste festeste Achse, der haltende Gratfür die weit ausschlagenden Schwingen: so zwischen HYMNEN und AL-GABAL der persönlichste Raum der Leidenschaft in den PILGERFAHRTEN,zwischen dem Buch der HIRTENGEDICHTE und dem der HÄNGENDENGÄRTEN der heimatliche Raum der SAGEN UND SÄNGE, zwischen demWachstumsjahr und dem Weltenjahr der Seele das Jahr des nächstenLebens: des Dichters selbst und der Befreundeten und Geliebten, ohneschützendes Sinnbild, ohne geschichtliche Fernluft; mitgelebte und mit-lebende Gegenwart, unmittelbares Bekenntnis zu persönlichen Gestal-ten. Auch dieser Kreis ist in sich wieder dreifach geteilt. Der erste Teil

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