zurückgelassenen Formen in unerwarteter Weise neues und glühendes Le-ben einhauchen". Dieses glühende Leben freilich — immer wird dieser Rat"wiederholt — soll sich nicht im Ausbruch der Kraft, nicht in Schmerz-oder Lustschrei äußern, sondern im Bezwingen des Ausbruchs, in der Ver-klärung von Schmerz und Wollust, damit man aus der Größe des Stegesund der Verklärung Größe und Echtheit der Erregung fühle. „Und sagendie einen zu uns: Eure Haltung ist uns denn doch zu kalt und ruhig undzuwenig der Jugend angemessen. So wir zu ihnen: Seid ihr noch nicht vomGedanken überfallen worden, daß in diesen glatten und zarten Seiten viel-leicht mehr Aufruhr enthalten ist, als in all euren donnernden und zerstö-renden Kampfreden?"
Es sollte noch mehr als zwei Jahrzehnte dauern, es mußte erst namen-loses Elend über Deutschland kommen, bis einige in unserem Volke dieseSprache zu hören begannen, es muß erst die ganze plebejische Ideenlehreder Revolutionen, der Glaube an die Erneuerung aus dem Umsturz vonThronen und Staaten, die längst zerbröckelt und morsch sind, wenn sie fal-ler », es muß erst der ganze Glaube an das Heil von unten aus den KöpfenUr id Herzen ausgetilgt und ausgemerzt sein bis die Tauglichen verstehen,w as hier gemeint, gewollt und begonnen ward. Denn jene Worte bezogenSl ch nicht auf Lehrmeinungen oder Grundsätze, sondern auf das Werk,Sle sprachen nicht von einem Aufruhr, der durch Erklärungen und Auf-Peitschungen von Massentrieben erst vorbereitet werden sollte, sondernv on einem der schon geschah: von der Umgestaltung des innersten menschl-ichen Kernes, der Neuschaffung jeder Seh- und Fühl- und Denkweisedurch die neue Dichtung. Ein Jahr nach dem letzten Bande der drittenFol ge, im Herbst 1897 erschien DAS JAHR DER SEELE und vielleicht istniemals in der Menschengeschichte, so weit wir blicken können, die Angelder Zeit mit leiserem Finger gedreht worden als durch dieses Werk. Nureinige wenige Gedichte im Mittelteil lassen etwas von der Bewußtheitdes zurückgelegten und vorgeschauten Weges erkennen, sagen etwas ausv °n der Spannung des Dichters zwischen Traumwelt und Umwelt, zwi-Sc hen dem Denkbild seiner Tempelgesänge und dem der sanften mütter-uchen Lehre seiner Jugend, zwischen dem Leid der Armut und Arbeit unddem Leid der Fülle und herrscherlichen Höhe, ja verraten, daß dies allesers t „der Morgengang" der Lebensreise sei und daß Lieder warteten, dien °ch nicht zu singen waren.
Dieses Buch ist ohne faßbares Sinnbild, das uns führt und hält: keine"errin, kein Pilger, kein Herrscher, kein Sänger oder Spielmann mehr,n °ch schon wie später ein Engel oder Gott — nur selten wird sie im Liedegenannt um deretwillen der Dichter das Schweigen bricht: die düstre
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