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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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schöpften Welten, die den großen Vorfahren noch gegeben waren, war sienicht mehr zu gewinnen, ihnen beizukommen nur möglich durch innigereEmpfindung, liebevolleres Anschauen, zusammengefaßtere Ausführung,kurz sie mußte aus den Tiefen statt aus den ungehauenen Wäldern und un-ausgebeuteten Feldern geholt werden, die jenen in unserem Volkstum nochverfügbar waren. Ebendarum tat das eine zu wissen doppelt not, daß derSinn der Dichtung nicht darin liege einen Gedanken auszudrücken, eine Ge-schichte zu erzählen oder den tatsächlichen Worten Takte und Reime ein-zupressen, sondern eine zwingende Bewegung der Seele in Klängen undMaßen auszudrücken und auch Worte Gedanken ja Bilder der körperlichenDarstellung dieser Sangesweise dienen zu lassen. Denn so klang die leichtandeutende und doch in ihren Folgerungen so tiefe Frage des Dichters:Wäre das Spiel mit Takten und Reimen überhaupt eines vernünftigenWesens würdig, wenn diese sich nicht unwiderstehlich als Sangesweiseaufdrängten?" (III, 2.) Nur von dieser Sicht aus war ein Urteil über dieEchtheit der dichterischen Erzeugnisse zu gewinnen gewesen und gewon-nen worden, doch bis heute ist es den meisten unserer rational-gebildetenDeutschen am schwersten, das Gedicht aus dieser unwillkürlichen Her-kunft aus der Geburt seines Tones zu verstehen. In den neunziger Jahrenwußte kaum ein halbes Dutzend Menschen in Deutschland, was ein Ge-dicht sei, denn dieses Wissen setzt dichterisches Wesen voraus und dieBlätter begrüßten daher eher freudig das langsame Anwachsen ihres An-hangs, weil ein schnelleres Zunehmen sogar bedenklich geschienen hätte.Die Blätter waren des stolzen Glaubens, daß sie schon in diesen Anfangs-jahren das Höchste gesammelt hätten was in einem bestimmten Fachemenschlichen Könnens eine ganze Stämmevereinigung hervorzubringenfähig war, und der sicheren Hoffnung, daß durch sie auch den Werdendenund Kommenden die Pfade geebnet wären, auf denen sie weiterschreitenkönnten zur Entdeckung neuer immer reinerer Kunsthimmel.

Diese Zuversicht ließ sich auch nicht durch die Tatsachen erschüttern,daß es damals in Deutschland kein künstlerisches und dichterisches Er-eignis geben konnte und wir in einem Bildungsstaat zweiter Ordnung leb-ten, daß das Schrifttum in Deutschland der geistigen Hefe überlassen warund alle fähigen Köpfe sich einer staatlichen Laufbahn oder den Gebietender Wirtschaft zuwandten. Die Blätter spornten die wenigen Gefährten uroso eifriger an, sich in der neugeborenen Kunstauffassung nicht mit einerhalben Sachführung zu begnügen, auch nicht zu erschrecken oder fangenzu lassen von Prophezeihungen vom völligen Dahinschwinden der Dich-tung und Kunst und der Notwendigkeit ihres Untergangs in dieser Zeit :Denn die werdende Jugend wird darüber lächeln und den vom Alter tot

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