dem JAHR DER SEELE beigesteuert, die wir im Zusammenhang betrach-ten werden. Die sparsamen Einleitungen und Merksprüche, welche die Ge-dichte begleiteten, ließen keinen Zweifel über die gleichgebliebene Abgren-zung nach außen. Hier und da spürt man am Urteil über fernergelegeneBereiche, am vorausschauenden Blick in die Zukunft, an Hohn und Mah-nung für den Gegner das drängende Pochen eines Willens, der alle Kräfte"n Innern sammelte und erst die künstlerisch geschulten dichterisch ge-bundenen zum Kampf entließ.
Der von einigen Schriftkundigen vorgebracht«. Unterschiebung, dieKunst, welche in den Blättern dargestellt werde, habe als Losung etwaswie eine Scheu vor dem Wirklichen und eine Flucht in schönere Vorzeiten,Salt die Antwort, daß die Dichter jede Wirklichkeit und Gegenwart, jedeFerne und Vergangenheit nicht durch Abschildern sondern durch Gestal-tu ng ins Reich des Nahen, Persönlichen und Heutigen rücken, daß ihnenWesentlich sei die künstlerische Umformung eines Lebens — „wel-kes Lebens? ist vorerst belanglos". Der Naturalismus, so fassen einigeMerksprüche die Frage zusammen, hat streng genommen die Wirklich-st nie wiedergegeben, aber durch den wissenschaftlichen Trieb zur Voll-ständigkeit auch in allen Nebendingen jedes Werk großen Zuges unmög-lich gemacht. Zu danken war ihm der Wille mehr als die Kraft, die Kunstv on der süßlichen Genüßlichkeit der Epigonenzeit loszureißen. Denn „Mit^-rnst und Heiligkeit der Kunst nahen: das war dem ganzen uns voraus-gehenden Dichtergeschlecht unbekannt. Keiner der Epigonen — so wenigder hochgeborene Schack wie der bescheidene bürgerliche Reimer — ist""ei von der abstoßenden behäbigen Bravheit und diesem Rest von Bar-barentum, den von Goethe bis Nietzsche alle großen Deutschen getadelthaben". Auch die sogenannte „Volks"dichtung von Bauern und Bäuerin-nen ■— später kamen noch Arbeiter und Landstreicher hinzu — wurde alsv erhüllte Mittelmäßigkeit der künstlerischen Ansprüche gegeißelt, vomGordischen und russischen Geist zu schweigen, von dem „dem Deutschenni cht viel zu lernen bleibt, was er nicht schon besitzt ohne die Ver-zerrungen".
Die Blätter verteidigten dagegen „die große und ewige Kunst, so tuendw as seit Jahrzehnten keinem mehr Tuens würdig war". Sie wollten „eineKunst frei von jedem Dienst: über dem Leben nachdem sie das Lebendurchdrungen hat: die nach dem Zarathustra-Weisen zur höchsten Auf-gabe des Lebens werden kann: die nach dem unsterblichen Meister des Ti-tan sogar im Gewaltigen und Schrecklichen nicht umwölken und verdun-kln, sondern erheitern und erhellen soll: eine Kunst aus der Anschauungs-tf eude aus Rausch und Klang und Sonne". Aus jungfräulichen und uner-
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