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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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kunst der Niederländer, die gerade in diesen Stücken mehr die englischeund romanische als die deutsche Überlieferung anklingen ließ: nur beiKloos spricht unser Platen mit. Auch die Dichtungsart von AlgernonCharles Swinburne lag ganz auf der westlichen Linie, er hat seine dichte-rische Schulung mehr bei den Franzosen und Römern als bei den Deut-schen gesucht, obwohl eine unmittelbare Liebe zu den Griechen ihn mehrmit uns zu verbinden scheint. Die von George nachgebildeteWidmung"aus dem ersten Band derGedichte undvBalladen" gab ein Beispiel seinerdurchformten leidenschaftlich-bewegten Rhythmik, in der die Wellenstößedes Meeres und ein unaufhörlicher Wind in immer wechselnden Tönenvom blumigen Felsengarten abgleiten und eine traumhaft aufgelockerteBildlichkeit schwingt, deren bezaubernde Wiedergabe durch George unszeigt, wie weit er auch in diesen Jahren seine strenge Gebundenheit derSprache lösen und weiten konnte. Weder Verweys noch kaum SwinburnesGedichte waren damals in deutschen Übertragungen bekannt, KönigLudwig II. von Bayern hatte sich Swinburnes DramaChastelard" schon1872 übersetzen lassen, und erst die Blätter wiesen die Deutschen aufdie größten Dichter des neuen Holland und England hin, mit denen wir imübrigen in den lebhaftesten Handelsbeziehungen standen.

Von den neuen deutschen Gefährten nahm die dritte Folge einige Pro-ben dichterischer Prose ausSieben Nächte am mystischen Quell" vonMelchior Lechter auf: Farbentraum des Malers, Musikrausch des Liszt-Begeisterten, Vernichtungswunsch des Mystikers: verzücktes Sehnen,dessen seine kräftige Natur zur Vergeistigung der sinnlichen Stoffe be-durfte; dann einigeSeufzer seiner blonden Liebesjahre" von Emil Ru-dolf Weiß, dem Zeichner und Maler, und eine Anzahl Gedichte von OskarSchmitz, der schon im Frühjahr 1894 mrt Wolfskehl in Rom bekannt ge-worden war. Er hat dieses Zusammentreffen später in seiner Bekenntnis-schriftDämon Welt" geschildert und gibt dort einen bezeichnenden Ein-druck vom ersten Hören der ihm noch unbekannten Dichtung wieder:

Die Verse--------versetzten mich in einen Taumel des Entzückens. Ich

schlief die ganze Nacht nicht. Während ich mich der mitgeteilten Verse zuerinnern suchte, entstanden neue im selben Stil und nun wußte ich, wasjahrelang mein Dichten gehemmt hatte: Die Furcht, in der alten abgegrif-fenen Sprache alltäglich zu sein. Selbst eine neue zu schaffen wie George

und Hofmannsthal--------hatte ich nicht vermocht. Jetzt aber wo sie mir

geboten wurde, ergriff ich sie gewissermaßen in einer Nacht und meine

Zunge war gelöst.-------Wolfskehl schüttelte sein langes Haar und schaute

verzückt in die Luft, nicht wegen der Herrlichkeit meiner ganz unselb-ständigen Gedichte sondern gewissermaßen um die Götter als Zeugen an-

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