spruch auf die lebendige Aneignung eines Fremden aufgegeben und geradeciurch die in geringer Anzahl aber in vollkommener Eindeutschung wieder-gegebenen Gedichte erhielten die fremden Dichter in den Blättern ihreigenstes Gesicht und fügten sich zugleich dem deutschen Ganzen ohneWidersprüche ein.
Die Werke von Gerardy und Waclaw behielten auch in dieser Folge dieseltsame Spannung und fremde Schönheit des zweigezeugten Gesanges.Gerardy lebt fast ganz in Sinnbildern der Vergangenheit und Ferne, seinen»Jungfrauen" sind die „Ritter" gefolgt und verraten die Einwirkung derSAGEN UND SÄNGE. In den „Tänzen" aber stieß er durch ein Tor, dasseit Hölderlin verschlossen war und das die Romantiker oder ihre Nach-fahren nur umgaukelt hatten. Hier tauchen wieder Völkergestalten in derDichtung auf: Hellas, Gallien, Germanien, Arabien, Indien und werden inJe drei Strofen von wechselnden zwingenden Rhythmen farbig und pla-stisch hingestellt: gewiß keine Gegenwartsbilder der Völker aber vonJener tief ergreifenden Wahrheit, welche im Ehmals und Heute ihre ewigenGrundzüge erscheinen läßt, die unverwischbar sind. Waclaw Lie-der ist bis in Bild und Vorwurf ganz Gegenwart. Zwei Klagen „Am To-tenbett" und „Nach dem Begräbnis" Paul Verlaines, doch mehr als Kla-gen, hohe Worte eherner Bereitschaft und männlichen Gedenkens, eineMagische Bewegung der Hand, die mit einem Schlage die ganze Luft „auf^ankt Genovevens lateinischer Höhe" und das sagenhafte Haupt des armenLelian erscheinen lassen — fünf Widmungen an Stefan George und dochmehr als Widmungen: die schönste Ruhmestafel, die nach Goethes Gedichtu "er Schillers Schädel ein Dichterfreund dem anderen geschrieben hat,hl er ein Lebender dem Lebenden, in gleicher Höhe der Bahn mit ihm krei-Se nd und beider Tage als zwei Sterne sehend „Die brennen werden überWeichsel und Rhein" — zehn oder mehr Gedichte der Liebe, der Land-Sc haft, der Einsamkeit oder wie man sie nennen mag: es sind die spre-chenden schreitenden ruhenden Zeichen eines Mannes, der mit der Abend-schwermut eines ganzen Volkes, ja eines ganzen Weltzeitalters beladen istUr »d dennoch Schulter und Haupt aus dem Dunkel bis an die Sterne hebtUnd trauernd aber groß und schön auf die Stunden und Dinge des engenDaseins schaut.
Dl e Gruppe der holländischen Dichter betrachten wir erst bei der sechsten°»ge, in der besonders von Verwey eine größere Auswahl von Übertra-gungen aus seinen zahlreichen Werken veröffentlicht wurde. Hier am Be-ginn der Verbindungen mit ihnen gaben einige Stücke aus „Mai" vonHermann Gorter und einige der schönsten Sonette von Willem Kloos und■albert Verwey vor allem einen Begriff von der hohen geschulten Vers-
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