unserer intim künstlerisch empfindenden Wirte, ihrem Verhältnis zumDichter. Es war nur .esoterisch'". (Voss. Ztg. 9. 1. 98.) Lou Andreas-Sa-lome in ihren „Grundformen der Kunst" sah schon damals deutlich, daßGeorge nicht zu den „Dekadenzpoeten" zu zählen sei: „sonst wäre er unsnicht die Fülle seltsamer und unheimlicher Seelenregungen der Krank-haftigkeit schuldig geblieben und würden wir auch bei seinen Schülernauf solche stoßen". Doch glaubte sie ein Überwiegen von hoher Formen-schönheit über den Gehalt feststellen zu müssen, das nur aufgehobenwürde sobald man den Dichter selber seine Gedichte sagen hörte. Denn»bei Stefan George ist jeder Inhalt, den er zugrunde legt, nicht nur inWunderbar intimem Zusammenhang mit seiner technischen Äußerungs-form gebracht, sondern steht auch zum Äußern und Innern des ganzenMenschen, zu seiner Haltung, seiner Stimme, seinem Antlitz, seinem Li-ebeln in so fein abgetönter Harmonie als machte eben diese Persönlich-keit nebst der von ihr geschaffenen Lyrik erst vereinigt das eigentlichWahre Kunstwerk aus. Gewiß ist das ein wenig paradox ausgedrückt, aberdem Kern nach verhält es sich so und das erklärt manches von der schran-kenlosen Bewunderung einerseits und von der überzeugten Bemängelungder dichterischen Qualitäten Stefan Georges andrerseits, die sich meist andie Erwähnung seines nicht viel aber stets mit einem besonderen Nach-druck genannten Namens zu schließen pflegen. Für mich hat ein Gedicht°och niemals eine solche siegreiche und überwältigende Umwandlung er-lebt, wie Stefan Georges Gedichte in seinem mündlichen Vortrag. EsWar als wenn sorgfältig getrocknete und schön geordnete BlumenleichenUnversehens aus einem Herbarium in einen blühenden Garten zurück-sprängen und jedes kleinste ihrer Blättchen goldgrün schimmernd in derSommersonne dehnten. Dieses Bild ist bewußt falsch, insofern in der Ly-l 'ik Georges die reinen und strengen technischen Formen das Leben seinesKunstinhaltes keineswegs töten und austrocknen, vielmehr sich diesem ge-ra de in allen seinen Nuancen so meisterhaft anschmiegen wie es nur demganz großen Techniker gelingt. Aber der Eindruck, den dieses falsche
■Üd vermittelt, ist dennoch im wesentlichen richtig------------denn obgleich
Form und Inhalt meistergültig ineinander aufgehen, kann es sehr leichtv orwiegend ja weit überwiegend das Formhafte sein, das unsere Bewunde-rung für diese Poesie fortwährend in Anspruch nimmt und fesselt. Denn ese uthüllt nur ihre originelle Note. Das wird nun ausgeglichen, wenn zumzurücktretenden Kunstinhalt die Persönlichkeit des Vortragenden tritt,die ihn dadurch ohne daß sie es will betont, indem sie ihn mit unwider-s Prechlichem Leben füllt, von dem wir nun nicht willkürlich auf die Formabgleiten können. Und dennoch bleibt die Wirkung eine rein künstle-
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