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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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maier" und ähnlichem Schutt befreien half. Stoeving hat zwischen 1897und 1899 auch einige Bildnisse Georges von großer Vornehmheit und Zart-heit gezeichnet und modelliert und in langen Jahren der Beobachtung schienihm als kennzeichnender Grundzug des Georgeschen Wesens und Werkesvor allem das Plastische hervorzustechen:Sein unerbittlicher Wille zurPlastisch starken unveränderbaren konzentrierten letzten Form", soschreibt erschien mir immer als größte Kraft seiner großen Kunst, damitdem eigenen geistigen Gehalt bis zum Letzten dienstbar; und auch die be-zwingende klangbildende Schöpferkraft, die jedes Wort zu einem neuer-lebten Laut und einem neu zu denkenden Sinn erhebt, ist Teil dieser plasti-schen Kraft. Mir scheint, daß er selbst dies als Hauptzug seines Schaffensempfindet, wenigstens erinnere ich mich bestätigend eines Gespräches, daßer wohl Bildhauer sein könnte, wenn er nicht Dichter wäre".

Der Kreis dieser Berliner Künstler und Gelehrten wurde im Herbst desJahres 1896 auf das glücklichste erweitert durch die Bekanntschaft Ge-° r ges mit Reinhold und Sabine Lepsius. Die beiden hatten bei ihrem letz-ten Winteraufenthalt in Rom Richard Perls kennengelernt, der ihnen vonGeorge sprach und dessen Gedichte gab. Sie erwarteten nach diesem Vor-bild einenÄstheten", aber bei dem Erscheinen Georges war der wirk-liche Eindruck ein völlig verschiedener von dem vorgestellten und die ele-mentare Menschlichkeit des Dichters drang stark auf sie ein. Für die Er-kennung menschlichen Wesens aus Gestalt und Antlitz waren die Künstler-augen der beiden Lepsius noch besonders geschult, da Sabine sich fastganz, Reinhold ausschließlich der Bildnismalerei gewidmet hatte. Rein-hold Lepsius war vielleicht nach Franz von Lenbach, der größere Würfem it leichterer Verantwortlichkeit wagte, der bedeutendste Bildnismalerder Jahrzehnte um die Jahrhundertwende, er wäre der beherrschende ge-worden, wenn die Zahl seiner Arbeiten auch nur in irgendeinem Verhalt-es zu ihrer eindringenden Tiefe gestanden hätte. Aber schnell und leichtz u arbeiten, ja auch nur das Begonnene auf dem besten Punkte des Er-reichbaren abzuschließen, hinderte ihn eine doppelte Anlage seiner Natur:aus altem Gelehrtenhause stammend war er ein ebenso feiner Kenner alsKünstler und ein allzu helles Bewußtsein verwehrte ihm den sicheren Ab-schluß seiner Bilder. Das Wissen um die letzten Bedingnisse der Wirkungforderte stets neue Überlegung, die Überlegung stets neue Versuche, dasGeleistete noch zu übersteigern. Es ist wohl kein Zufall, daß neben seinenschönen Frauenbildnissen die besten seiner Männerbildnisse die von Ge-lehrten in höheren Jahren wie des Ägyptologen Lepsius seines Vatersdes Philologen Curtius und des Archäologen Carl Justi sind. DieseKöpfe entsprachen seiner inneren Fragestellung: er erfaßte die Bildnis-

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