Einung geschlossen, deren Auswirkungen auf vielen dem öffentlichen Ge-triebe verborgenen- Wegen weitergegangen sind, aber in der Buchkunstbald auch sichtbar auf die Entwicklung des künstlerischen HandwerksEinfluß übten. Über ein Jahrzehnt lang zeigten die Bücher Georges, wiewir noch sehen werden, das Gepräge der Lechterschen Hand und im selbenZeitraum ging die Form des Georgeschen Kopfes und vielfach auch seineHaltung in die Gestalten Lechters ein, freilich in einer übergeistigten undder leiblichen Wirklichkeit entkleideten Weise. Die überschlanke Anmut,die asketischen Züge, der entrückte Ausdruck des schöpferischen Augen-blicks, die hingerissene oder tiefdemütige Gebärde der Gestalten Lechterswaren einer Seite des Georgeschen Wesens und Werkes verwandt, die,wenn sie allein auftritt, die Blut- und Erdnähe ihres Trägers abschwächt.Lechters herber eckiger Strich und seine glutvollere Farbe schied seineGestalten zwar von den weichen Präraffaeliten, aber sie gehörten dochmehr einer christlich-verzichtenden als einer Welt der blühenden herr-scherlichen Leiber an, die Georges Dichtung durchstrahlte. Doch wasdamals in Deutschland vor allem zu betonen nottat, besaßen diese Ge-stalten Lechters einzig vor denen der Berliner Zeitgenossen: die geistigeZucht und Schönheit, die hohe Andacht und Ehrfurcht vor den göttlichenMächten, die vornehme adlige Haltung und in immer wechselnden Sinn-bildern den triumphierenden Lobgesang auf die heilige Quelle der Freu-den: die Ars Coelestina wie Ars Humana! Hier lag der Einungspunktzwischen Maler und Dichter. Seit der ersten Begegnung war George einregelmäßiger Gast im hohen Atelier, wo sich bildende Künstler und Lieb-haber und Liebhaberinnen der Künste in kleiner Anzahl zu versammelnpflegten. Auch George führte seine vertrauteren Freunde dorthin wenn sieauf kürzere oder längere Zeit in Berlin weilten und hielt mit ihnen undLechter in dieser Burg der Abgeschiedenheit jene Leseabende, welche denSüd- und Norddeutschen, den Holländer und Belgier, den Polen und Eng-länder mit dem gleichen einigenden Atem der Dichtung durchdrangen. Unterden Freunden Lechters gewann er ein näheres Verhältnis zu Curt Stoevingdem feinen norddeutschen Künstler, der aus ganz anderen Wurzeln wieLechter stammend, doch in der gleichen Richtung einer geistigen Kunstarbeitete, auch er in umfassenderem Sinne als die marktgängigen Tafel-maler der Kunstbörse dem Gesamtbereich des hohen künstlerischen Hand-werks zugerichtet: Baumeister, Erz- und Tonbildner, Entwerfer von Ge-brauchsgeräten und einer der ersten neben Lechter, Eckmann, Olbrich,Behrens und Van de Velde der ganze Räume und Wohnstätten aus eigenerkünstlerischer Idee gestaltete und das bürgerliche Haus von den schreck-lichen „Möbeln im Stil der Gotik, Renaissance, Louis-Quinze, Bieder-
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