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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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auf. Ein tief erregbares, für Lust und Schmerz gefährlich offenes Gemütsteht bei ihm in fruchtbarer Spannung zu dem beherrschenden Trieb: demDienst am Werke. DemTrachten nach dem Werke" mußte von Jugendauf sich alles unterordnen, er prägte den Geschicken der Liebe und Freund-schaft, der äußeren Umgebung wie der inneren Haltung Lechters ein un-verkennbar eigenes Zeichen auf: das eines eigenwilligen von Schulen undStrömungen unabhängigen Künstlertums fast außer der Zeit, ja gegen dieZeit. Er wich niemals nur um Haaresbreite vom gewählten Wege, vomstrengsten Anspruch an das eigene Können, an die Beherrschung der altenwie neuen Werkmittel, der unbedingten Sauberkeit wie Haltbarkeit derAusführung bis auf Rahmen und Faden, der klaren Darstellung einesauf innerem Gesicht beruhenden Ganzen, nicht eines Eindrucks oder Aus-drucks augenblicklicher Reize. Man mag seine Kunst archaisierend oderformal, ornamental oder gedanklich nennen hier ist der Ort nicht wedersie einzureihen noch zu werten gewiß ist nur, daß seine Erscheinungals Künstler von einer Ungebrochenheit und Strenge vor uns steht wiekaum die eines anderen dieser Jahrzehnte. Wenn seine Unverbundenheitmit den hundert wechselnden Schulen und Schülchen ihn vom lauten Er-folg des Tages ausschloß, so bleibt sein Ruhm der Helfer und Gefährtedes Größten unter den Lebenden gewesen zu sein, ein Ruhm, der dauernwird, wenn keine Silbe mehr von den Namen meldet, die heute den Preisder Richter und Makler für sich haben.

Als Erbe seiner katholischen Heimat und der Stadt altkirchlicher Hand-werkskünste brachte er die Liebe zu den niederländischen, Kölnischenund westfälischen Meistern mit und fand von ihnen den Weg zu den frühenSienesen, Florentinern und Venetianern. Den lebendigen Einstrom derGegenwart nahm er von Böcklin, Puvis de Chavanne und den englischenPräraffaeliten, aber nicht weniger unmittelbar auf sein geistiges Zentrumwirkten Wagner und Nietzsche. Es sind scheinbar fast unvereinbareStröme, die so in dem jungen Dränger zusammenflössen, aber er nahm undnährte aus ihnen die eine ihn bewegende Triebkraft: die höchsten gei-stigen Gesichte in Linie Farbe und Raum zu bannen, das unsagbar gött-lich Eine in Zeichen und Lichtern auszudrücken, das innerste Schwelgender Seele in Blumen und Leibern, Gefäßen und Geräten augenhaft faßbarund schön zu machen. Die Einheit des höchsten Geistigen mit der größtenSchönheit ist immer Lechters letzte Sehnsucht geblieben und hat ihn spä-ter in die Bahn einer mystischen Wissenschaft geführt, wo Werk undLeib in Gefahr geraten sich zu verflüchtigen. Damals sah er den Weg zudieser Einheit noch nicht im Geheimwissen der Mystiker, das nur Nah-rung für seinen Bildungshunger und begeistertes Mitschwingen im Reiche

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