Aufgeschlossenheit für höhere Werte des Bildens und Wissens, meistAußenseiter, die weder den überalteten Schulen der Wissenschaft noch denneuen überlauten Gruppen der Kunst gehörten. George fand auch dieseMenschen durch jenen „glücklichen Zufall", der ihn stets zu dem ihm Ver-wandten und Angemessenen führte und der sich freilich in diesen Jahrenschon nicht mehr von der Wirkung trennen läßt, welche seine Werke aufähnlich gesinnte Seelen ausübten.
Nachdem „der grüne Salon" in der Lothringer Straße des Berliner Nor-dens verlassen war, wohnte George viele Jahre in den Herbst- und Winter-monaten im Westen und war lange bei dem alten Bildhauer Martin Wolf zurMiete, der brav das Handwerk seines Vaters weitertrieb. Schon 1894 stießer in Berlin auf den ersten Wissenschaftler seines Bekanntenkreises auf MaxDessoir, der, damals ein zurückgezogener und anspruchsloser Privatdozent,Philosophie und Kunstlehre verband, vor allem die Gesetze der Ästhetikz u ergründen suchte und in seinen Vorlesungen auch die moderne Dich-tung in den Bereich seines Forschens zog. Dessoir war schon frühzeitigau t die Blätter für die Kunst aufmerksam geworden und hat als ersterdeutscher Gelehrter auf seinem Lehrstuhl und in seinen Schriften die un-terscheidende Grenze zwischen der Dichtung Georges und dem Wust desNaturalismus aller Richtungen aufgezeigt. George hat oft mit diesem an-genehmen Plauderer die weiten Fragen, die sich damals beim Zusammen-bruch einer alten Kunstlehre vor dem Erforscher der Gesetzlichkeit desSchönen auftaten, durchgesprochen und ihn selbst einmal in einer Vor-lesung durch eine kurze Lesung eigener Gedichte zur Erläuterung desn euen Tones unterstützt — bis heute nach einem Menschenalter die ein-ige Lesung seiner Gedichte in diesen Hallen der Wissenschaft.
Selber mehr als Gelehrter denn als Person bedeutend führte Dessoir dendichter mit einem Manne zusammen, bei dem die Bedeutung der Persondie des Gelehrten, die menschliche Artung ein umfassendes Wissen über-wog und ein im Gespräch geäußertes Wort oft seine ganze Lehre übertraf:tnit Georg Simmel. Dieser Mann ein geborener Erkenntnissucher mit demS a nzen Rüstzeug des Verstandes, ja was mehr ist, mit der zartesten Fein-'ühligkeit des geistigen Taktes ausgerüstet, hatte das Unglück, in einer* e it zu leben, die dem Erkenner kein Ganzes mehr zur Erkenntnis darbot,^er geistige Bau unserer Menschenwelt war von innen gesprengt, durch-schwebte in tausend wirbelnden Stücken den Raum und schwirrte in tau-send und aber tausend immer wechselnden Bezügen durcheinander. Ertäuschte freilich dem aus geformter Welt herkommenden oder an geform-ten Gedankenbauten unseres Idealismus geschulten Blick noch in dieserß eziehungsvielheit eine Einheit oder ein Ganzes vor, das nicht vorhanden
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