Druckschrift 
Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
Entstehung
Seite
114
Einzelbild herunterladen
 

Theosophie. Heute ist Cyril Meir Scott seinen wallisischen Doppel-namen Meir hat er später abgelegt in der angelsächsischen Welt längsteine anerkannte Berühmtheit, aber um das Jahr 1896 stand der noch un-bekannte Inselknabe in der Blüte seiner wahrhaft unbekümmerten Jugendund vermehrte den wachsenden Freundeskreis Georges in Europa durchein neues englisches Element. An seiner Person erlebte George den Um-schwung des englischen Geistes, der am Anfang des 19. Jahrhunderts nachder deutschen Seite aber gegen dessen Ende immer mehr zu Frankreichhinneigte.

Zwei Jahre später fuhr George nochmals nach England, um den einsamenden Engländern selbst kaum bekannten Ernest Dowson zu suchen, dessenGedichte ihn und Verwey entflammt hatten und den dieser schon vergeb-lich aufzufinden versucht hatte. George fand auch diesen letzten Nach-fahren der englischen Überlieferung ja vielleicht den letzten Dichter desadligen Englands, aber er war schon krank und erschöpft von Elend undEnttäuschung aus denen der Tod ihn bald erlöste. Scott selber wurde erstdurch den Deutschen auf seinen eigenen Landsmann hingewiesen und hateinige seiner schönsten Lieder komponiert. Aus dem schönen Bund derPräraffaeliten die Rossettis Dichterkraft erweckt hatte, war keine lebendigweiterwirkende Gemeinschaft erwachsen: die Dichter gingen einsam inEngland und auch der alternde Swinburne lebte fast verschollen.

6. KAPITEL: BERLIN ALS MITTELPUNKT

ZWISCHEN den verschiedenen Besuchen in München und den west-lichen Nachbarländern war George einige Male nach Berlin gereist,um mit Karl August Klein die Zusammenstellung der neuen Bände derBlätter für die Kunst vorzubereiten und in der kleinen Werkstatt des bra-ven alten Felix Cynamon den Druck der BÜCHER zu betreiben, die Endedes Jahres 1895 an die Freunde und Bekannten ausgegeben wurden. Da-mals begann sich in der Hauptstadt des Reiches ein neuer Kreis von Ge-fährten zu bilden, der bald von großer Bedeutung für George wurde. Eswaren besonders wieder bildende Künstler wie die Maler Lechter, Lepsius,Stoeving und der Musiker Ansorge, welche den Weg zur neuen Dichtungund von ihr zur Person des Dichters fanden. Zu ihnen traten schon frühauch einige Gelehrte der großen Friedrich-Wilhelms-Universität wie Des-soir, Simmel, R. M. Meyer, Botho Graef und einige Jahre später KurtBreysig und Wilhelm Dilthey Künstler und Gelehrte wie schon dieNamen besagen von einer geistigeren Richtung, einer empfänglicheren

114