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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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chen gegenüber waren sie beide Zweifler, der Gott-Natur und ihrer unend-lichen unzerstörbaren Schönheit galt beider Verehrung, nur ihre Erschei-nung war dem einen dunkler Spiegel dem andern helle Gestalt. In jenenersten Jahren ihrer Freundschaft aber tauschten sie ihre innere Haberückhaltlos miteinander aus, hatten nur das eine gemeinsame Ziel derWiedergeburt der Dichtung in ihren Ländern vor Augen. GedanklicheErörterungen, für Verwey eine notwendige Ausdrucksform seines Wesens,waren für George im Schrifttum nur eine begleitende Note aber im Ge-spräch ein Kampfspiel und die Würze der Stunden. So führte die Gemein-samkeit der Sichten und des Willens zu einem tiefen dichterischen Bünd-nis der Söhne solang getrennter Bruderstämme: als reife Frucht der Ver-einigungsjahre erschien im gleichen Jahre DAS JAHR DER SEELE vonGeorge und DE NIEUWE TUIN (Der neue Garten) von Verwey, und beideWerke verraten schon im Titel etwas von der Gegenseitigkeit der Gaben:der Seelentiefe beim einen, der neuen Form beim andern. Das Wichtigstewas Verwey dem deutschen Dichter dankt, ist ein neues dichterischesErwachen. Denn sein an allen Kunstbewegungen geschultes Maleraugedas auch den neuesten Zersetzungen noch einen gewissen Geschmack ab-gewinnen konnte, war in Gefahr gewesen auch schon in der Dichtung zublinzeln. Die Gedichte desNieuwe Tuin" und der nächstfolgenden Vers-bände dagegen haben gerade wo sie dem Sinn nach am meisten holländischsind, einen beinah heroischen Ton.

Wie die geistigen hatten die beiden auch die Schätze der heimatlichenFluren ausgetauscht. Es erleichterte die Einung, daß beide doch Söhnedes Rheines waren. Die wenigen Fäden, welche von Holland noch nachDeutschland liefen, waren ja an den Strom geknüpft: die gemeinsameSchiffahrt auf ihm, die Erinnerung, daß das holländische Herrscherhausvon den Ufern der Lahn stammte, gleichnamige Landstriche dies und jen-seits der Grenze und die noch immer übervölkische Wölbung der Kirche,welche die rheinischen Katholiken mit den südholländischen in Verbin-dung hielt. Wie George von nun an alljährlich die Niederlande, so besuchteVerwey den Rheingau und noch heute klingt das Erstaunen durch seineErinnerung über den ersten Besuch im Elternhaus des Freundes in Bingen,das Erstaunen wie dieser Dichter des ALGABAL, der Schöpfer der höch-sten Kunstformen und Gefährte der feinsten Geister in den großen Städten,wie der Mensch so großer geistiger Ansprüche zu Hause in schlichtesterEinung mit den Seinen lebte und die Sorgen des Tages wie Freuden desAbends sohnlich und brüderlich mit ihnen teilte. In einigen Gedichtenseines BuchesTage und Taten" hat Verwey das seltsame DoppelbildnisGeorges festgehalten: im ZyklusDer Einsame" den leidenden Menschen,

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