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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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und Literaturbetrachtung, die selbst der deutschen an spießbürgerlicherFlachheit weit überlegen war. Denn wer wie er schon am Beginn jener Be-wegung eine Studie wieDas Sonett und die Sonette Shakespeares" schrei-ben konnte, von einer so wundervollen Deutung der rhythmischen Mög-lichkeiten des Sonetts, seiner Technik im allgemeinen und bei Shakespeareim besonderen, von einer so bezaubernden und erhellenden Darstellungdes Blankverses im Vergleich zum Acht- oder Zwölfsilber, wie wir etwasÄhnliches vergeblich in unserer Wissenschaft suchen der war voreinem völligen Abgleiten in die naturalistische Auflösung gesichert. Erlöste sich, sobald er den Weg für das junge Geschlecht geöffnet sah, lang-sam von den Mitkämpfern, noch ungewiß zu welchen neuen Zielen. EineReise nach Italien (1890), der Anblick so vieler Werke der hohen Kunstaus drei Jahrtausenden, vor allem seltsamerweise der römischen Bildnis-köpfe in Neapel lenkten seine Gedanken von den natürlichen Ichgefühlenauf das künstlerische Gebilde, von Eindruck und Vorstellung auf denGeist, vom Wort auf den Satz:Denn Lust- und Nervengefühl äußern sichdurch das Wort, die tiefere Einheit des Geistes drückt sich im Satze aus"(Proza II, 47).

In diese Wandlung, deren Gegensätze er mit solcher Klarheit erst spä-ter erkannte, fiel die Bekanntschaft mit den Gedichten der ersten Blätter-Bände und dann die Begegnung mit George selbst. In nichts zerflog beidessen erstem Anblick das Bild desDekadenten", in nichts die Sorge umdie Endschaft-Süchte auch des deutschen Geistes! Jugendlich strahlendbewegt, von der fast kampflosen Klarheit und Wachstumsfreudigkeit wiediese ganzen Monate eines reichen Zustroms von Freunden und Gefähr-ten, schön minnend gelassen wie diese Jahre der Entstehung der Hirten-und Preisgedichte ihn gestaltet hatten, trat der schlanke brünette Deut-sche vor ihn: mit dem vollen welligen Haar, der gewaltigen Stirn, denblitzenden dämonisch festen Augen, den löwenkräftigen Kinn- und Kiefer-knochen, einem Antlitz das ihm von vorne breit und mächtig, von derSeite schmal und feingliedrig erschien, ein Mensch ohne Spur von Müdig-keit wenn auch mit jener Schwermut auf dem Grund der Seele, welche dieWissenden kennen. Vor allem, was Verwey aus den Werken schon wußte,aber in den Gesprächen tief bestätigt fand: ein Dichter in jedem Blick undNerv stand vor ihm, ein solcher wie Verwey, gleichgültig auf welche Per-son oder Frage angewandt, ihn seitdem immer wieder gezeichnet hat, einerder glaubtdaß der Kunsttrieb eine Naturgewalt ist die nicht getötet wer-den kann, daß das Kunstwerk nach eigenen Gesetzen geht und daß ein Le-ben hingebracht in der Schöpfung der Kunst-in-Worten mehr denn jedesdas Leben lohnt", einer der Leid und Leidenschaft und alle Bereiche des

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