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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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In der Zeitspanne zwischen diesen Aussprüchen liegt ein Lebenswerk,das ganz durchglüht ist von der Idee des Dichtertums: Durch Zeichnungund Rangschichtung heimischer Dichter, durch scharfe Unterscheidungenzwischen Vers und Prose, durch Erläutern fremder Geister und Geistes-arten und nicht zuletzt durch eigene dichterische Schöpfungen hat Verweyder Verteidigung, Klärung und Gestaltung dieser Idee alle Kräfte seinesscharfen Verstandes und seinen weiten Umblick über die Geschichte undGegenwart Europas gewidmet. Das hohe Bild des Dichters, wie er es vonBeginn an in sich trug, ist das des schöpferischen Genius, des Urdichters,w ie Gundolf es später genannt hat, der die im Ursprung der Sprache vor-handene aber durch Schrift, Gewöhnung und Verschleiß stets bedrohte undzerreißende Einheit von Bild und Gebärde rettet und wiederschafft, erdererneuende lebenerweckende Gott der Sprache", der alles was geformt understarrt nur totes Kapital für die Menschheit ist, erlöst und wieder mitLeben füllt. Nur große vom inneren Schöpferdrang getriebene Seelenhaben die Kraft zu solcher Wiedergeburt. Denn niemand, heißt es in demAufsatz über dichterische Sprache vom Jahre 1884,niemand der nichtsGroßes in seiner Seele hatte, ist Meister über die Sprache geworden: derGeist ist nicht stark genug die Natursprache aus dem toten darüber la-stenden Haufen auszugraben, wenn er sie nicht notwendig braucht, umein Bedeutendes damit auszudrücken. Wer Eingebung hat sucht sie nichtw eil er fremd oder anders sein will wie die meisten, sondern weil er anderslicht sagen kann, was er sagen muß" (De Oude Strijd). Der Dichtertritt, so formuliert Verwey es später anders, aus der alten, weil er eine neueGesellschaft beginnen muß und scheint einen Augenblick außer jeder Ge-sellschaft zu stehen (Proza I).

Wir berührten schon, daß er im ersten Jahrzehnt seines Wirkens mitden Genossen imNieuwe Gids" die überkommenen Formen abschüttelte.Die jungen Stürmer glaubten weder dieser noch anderer Stützen der Ge-meinschaft hinter und um sich zu bedürfen und jeder vertraute bei derGewinnung neuer Formen und Gehalte auf die Vernünftigkeit und Natür-lichkeit seiner eigenen Person. Dadurch ging, wie Verwey selbst imAn-bruch der neuen Dichtung in den Niederlanden" (Proza II) ausgeführt hat,Jede bindende Innerlichkeit der Gedichte verloren: gefühlsmäßige Er-regungen,Organ- und Nervenreflexe" im Gedicht aufzufangen, galtSchließlich als die Norm und es entstandeine Poesie der Anarchie undAuflösung", der jede tiefere Einheit von dichterischem und menschlichemWesen fehlte. Dieser auf die Spitze getriebene Ichkult brach in den neun-ter Jahren um. Wir sehen Verweys Anteil daran überhaupt mehr inSeiner Kampfstellung gegen das Alte, gegen die hausbackene Literatur

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