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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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ner dichterischen Bildung. Die geistige wie staatliche Lage seines Volkesam Ende des 18. und bis tief ins 19. Jahrhundert hinein umschrieb Verweyselbst einmal mit den Worten:Ein machtloses, charakterloses an Freudeleeres Volk, das noch immer nicht absehen konnte vom Stolz auf seinefrühere Größe, ja sich das beste in Europa wähnte, das war das Volk vonBilderdijk (17561831) und so war auch er. Andre Völker besaßen dasvolle Heute, wir das Vergangene in leerer Abgezogenheit, andre freutensich, wir mußten leidend unser Großes festhalten". Nur langsam kam mitder von außen einbrechenden Romantik ein frischeres Leben in den nieder-ländischen Geist und wenn auch Potgieter nur ersteine Renaissance derRenaissance", ein Zusammenstoßen aller Formen der niederländischenDichtung seit dem 16. Jahrhundert war, so löste er doch die Holländer da-durch aus ihrer Vereinzelung und Vereinsamung, daß er sie unter dem ro-mantischen Blickpunkt als Volk in der ihm eigentümlichen Besonderheitunter den anderen Völkern sah und gerade hiermit die Grenzen öffnete.Der frühverstorbene Jacques Perk stieß dann vollends um 1880 in den klas-sischen Raum Goethes und den katholischen Dantes vor auch er mehrvon den südlichen Tälern des bisher so verhaßten katholischen Belgienals von den nördlichen niederländischen Ebenen erregt und befreite dasjunge Geschlecht plötzlich von der ganzen verwässerten Renaissance-Überlieferung von Vondel bis Potgieter. Es war ein Durchbruch durchdenganzen römisch-klassizistischen Apparat" und dem großen euro-päischen Zuge folgend ein Aufbruch in das Reich der freien Natürlichkeitund der natürlichen Menschlichkeit.

Die jugendlichen Amsterdamer Dichter Verwey, Kloos, Gorter, VanEeden und andre gründeten gegen die bisher führende literarische Zeit-schriftDe Gids" im Jahre 1884De Nieuwe Gids", dessen KampfansageSegen den altenFührer" mit den Worten schloß:Wir sind keine Natu-ralisten, aber wir nehmen sie und ebenso Hypersymbolisten auf, wenn ihreWerke haben was wir fordern: Wir wollen den gesunden Verstand in derKunst". Hier kündete sich also mehr ein jugendlich brausender Wille zurSprengung jeder Überlieferung, zur Außerachtlassung jeder Grenze undFessel, kurz eine mehr auf Ablehnung und Verneinung als auf einersicheren Kunstanschauung beruhende Bewegung an. Wir werden ausder Betrachtung der künstlerischen Ideen Verweys bald deutlicher er-nennen, warum dieser sich nach dem Gelingen des Durchbruchs in zehn-jährigem Kampfe von seinen Genossen trennen mußte und im Jahre 1895toit Ludwig van Deyssel zwei neue Zeitschriften gründete, dieTweemaan-delijksch Tijdschrift" undDe XX. Eeuw" (Die Zweimonatliche ZeitschriftUnd Das Zwanzigste Jahrhundert), die nach abermals zehnjährigem Be-

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