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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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er einer Einladung Verweys nach Noordwijk-aan-Zee. Von nun an kam eröfter in dieses immer unveränderte Haus in den Dünen: er hatte hier aufnicht mehr deutschem aber ganz germanischem Boden einen großen Dich-ter und Freund gefunden. In der jahrhundertelangen Trennung vomMutterlande hatte Holland mit dem eigenen staatlichen Schicksal aucheine eigene Bildungseinheit erworben. Dieses Land, das zur Stauferzeitden Vater des Minnesangs, Heinrich von Veldeke gebar, den Wolfram alsseinen Meister und Gottfried als den Pflanzer des ersten Reises in deut-scher Zunge preist, das im Spätmittelalter die innigen Brüderschaftenhervorbrachte, deren mystische Liebeserschütterungen auf Ekkehart,Ruysbrock, Tauler, Thomas von Kempen und noch Luther einwirkten,dieses Land der Rhein-, Maas- und Scheideniederungen hatte sich im Ver-lauf seines Unabhängigkeitskampfes gegen Spanien-Habsburg und dannim Dreißigjährigen Kriege mehr noch als durch eine staatliche Grenze durcheine seelische Kluft vom alten Reiche geschieden. Indem es sich in allengeistigen und gesellschaftlichen Bewegungen den westeuropäischen Völ-kern anschloß und auch deren weltumgreifende wirtschaftliche Formenauf Gedeih und Verderben teilte, hatte es dem immer mehr auf sich zurück-geworfenen Deutschland gleichsam den Rücken gekehrt und nur in denschlimmsten Nöten die Hilfe seiner Krieger gerufen. Man kann gewißnicht sagen, daß diese Wendung dem Ansehen seines Staates, dem Vorteilseiner Wirtschaft, der Höhe seiner humanistischen Wissenschaft und derBlüte seiner bildenden Künste geschadet habe: der Ruhm der Holländerauf allen diesen Gebieten ist unbestritten, aber gewiß ist auch, daß er seitdem 18. Jahrhundert allmählich mehr und mehr verblaßte. War ein altesErbe aufgezehrt und fehlte der Nährboden des alten Mutterlandes, derden Holländern zur Zeit ihrer höchsten Blüte noch ihren größten Dichterbeschert hatte? Joost van Vondel, ein Sohn kölnischer wiedertäuferischerEltern und selbst noch in Köln geboren, war gewiß kein Dichter von welt-vertretender Größe. Durch seinen Übertritt zum Katholizismus hat ernicht einmal die volksschaffenden Kräfte des holländischen Kalvinismusumgreifen und das Bild der heldenhaften Zeit seines Volkes dichterischgestalten können. Aber dieser Rheinländer hat dem Schrifttum seineszweiten Vaterlandes doch die romanisch-klassizistische Schulung erobertund es damit auf eine Stufe der gemeineuropäischen Überlieferung gehobenwelche die barocke Dichtung in Deutschland nicht erreichte. Doch diesehohe Ebene Vondels hatte das holländische Schrifttum nicht lange gehal-ten, Vondels frömmelnde Art vermochte den aufgeklärten Geschlechterndes 18. Jahrhunderts nichts mehr zu sagen und als in Deutschland diegroße Wiedergeburt anbrach, stand Holland auf dem tiefsten Punkte sei-

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