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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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einigen Jahren für eine gehobenere Stellung der Dichtung kämpfte undüberall in den Nachbarländern die Bewegung des Schrifttums verfolgte,hatte aus Deutschland auch die ersten Bände derBlätter für die Kunst"erhalten. Sofort erkannte er: hier ist das Gesuchte, und schrieb den ebenerwähnten Aufsatz, von dem wir die begeisterten Worte über Mallarmeund George schon angeführt haben. Verwey untersuchte darin das Ver-hältnis Georges zu den französischen Dichtern und stellte im Gegensatzezu Karl August Klein eine Verwandtschaft nicht so sehr seines Dichter-tums wie seiner Persönlichkeit mit Baudelaire fest. Sein Ton sei freilichder erste selbständige seit den großen Deutschen, seit Heine gäbe es keinLied von so sauberem Gang, so süßen Lauten und faltenloser Dünung, seitPlaten kein auch nur annähernd gleich gestaltendes Vermögen, ein Ge-mälde von so kräftiger Farbe und strengem Charakter aufzubauen. Dieinnerliche Gediegenheit dieses Dichters beruhe auf dem Klassischen seinesSatzbaues, dem Streben nach Kürze, dem Vermeiden des unreinen Reimes,einer besonderen Sorgfalt im Technischen und einem kargen Gebrauchv on störenden Satzzeichen. Aber in seiner Persönlichkeit, in der verkör-perten Natur,die der Stoff des Künstlers ist und von der allein es ab-hängt, in welcherlei Gestalt er die Phantasie seiner Leser berühren wird"glaubte er die Welt Baudelaires und der französischen Dekadenz zu er-kennen, die Welt dererfür die die Berührung mit dem kräftigen Lebenvon Natur und Menschheit kein Genüge mehr ist, derer die das gesundeAufschwellen von Leben zu Leben, den Erguß und die Verkuppelung derKörper und Seelen, wodurch dieser Kosmos lebt, fürchten, weil sie ihnenz u mächtig sind, derer denen nur fremde Reizung und bizarre Nuance einevorübergehende Genugtuung gibt". Verwey spürte dennoch in der schein-baren Schwäche die unverkennbare Hochherzigkeit des neuen Dichters.Wenn nach seinen Worten ein Gedicht wie dieSpange" eine bizarre Per-sönlichkeit verrät, so muß es doch eine königliche Pilgerseele sein, diedies gebieten kann, wenn Algabal ein kranker Kaiser ist, so muß man dochein Kaiser sein, um so die Träume seiner Krankheit zu verbildlichen undzu verwirklichen. Eben darum beklagte er tief, daß jetzt auch in Deutsch-land der Dichter, dem das höchste Lob gebühre, bei den Dekadenten auf-träte, denn gegenüber dem damals schon berühmteren Dichter Verhaeren,den er im zweiten Teil seines Aufsatzes behandelte, schien ihm der Deut-sche doch die wichtigere Erscheinung von beiden zu sein. (Tweemaand.Tijdschr. Mai 1895.)

George ließ Verwey durch Karl August Klein auf einiges Falschge-sehene aufmerksam machen und ihm seine bis dahin veröffentlichtenDichtungen senden. Als er im Herbst in Bad Scheveningen weilte, folgte

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