in den Römern, dieser Abglanz der Venus in den Bildern von christlichenHeiligen.
Und sind nicht die Antike Goethes, die Antike Shelleys und die AntikeHölderlins drei so seltsam verwandt-geschiedene Gebilde, daß es einentraumhaften Reiz hat, sie nebeneinander zu denken, wie die Spiegelbilderdreier sehr seltsamer Schwestern, in einem stillen Wasser, am Abend?
Einen freieren, unsicheren Hintergrund haben die Gedichte des drittenBuches. Bald über der Welt, bald wie im lautlosen Kern der Erde einge-bohrt, immer fernab von den Wegen der Menschen. Diesen traumhaften Zu-stand bezeichnend, heißt es das „Buch der hängenden Gärten". Sterne wer-den nur durch das Netzwerk phantastischer Blätter erblickt, das Wassernur, wie es aus den Schlünden von Fabeltieren in ein Becken springt.
Aber auch in diesen tieferen Betäubungen der Phantasie finden wir dasGemüt wieder, das uns in den „Hirtengedichten" und in den „Sagen undSängen" nahe gekommen ist. War es dort zart, nach dem Leben begierig,bewundernd und dienend, so sind die Gedichte der „Hängenden Gärten"prächtig, ja ruhmredig und heftig, voll vom Begriff eines höchst persön-lichen Königtums und voll von dumpfen und grausamen Erfahrungen.
Aber eine hochgespannte innere Reinheit und das Gefühl der Berufunggeht nicht verloren, in allen An- und Abspannungen kommt keine ernied-rigende Schwere in diese Gebärden.
Er ließ sich einsam hin auf hohem steine.
Mit keinem maßloseren, keinem unwürdigeren Wort ist der verlassen-ste, traurigste Zustand gemalt.
Die angeborene Königlichkeit eines sich selbst besitzenden Gemütes istder Gegenstand der drei Bücher. Nichts ist der Zeit fremder, nichts ist denwenigen wertvoller. Die Zeit wird sich begnügen, aus den schlanken ty-rannischen Gebärden, aus den mit schmalen Lippen sparsam gesetztenWorten, aus dieser leichtschreitenden hochköpfigen Menschlichkeit undder im unsicheren Licht der frühen Morgenstunden gesehenen Welt einenseltsamen Reiz zu ziehen. Einige wenige aber meinen nun mehr um denWert des Daseins zu wissen als vorher".
5. KAPITEL: HOLLAND UND ENGLAND
ALS George noch in Belgien weilte, erhielt er um die Mitte des Jahres1895 einen Aufsatz des schon öfter erwähnten Holländers Albert Ver-wey zugesandt: „Twee Dichters", in dem die Gedichte Georges und Ver-haerens besprochen waren. Verwey, der in seiner Heimat schon seit
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