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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
Entstehung
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gar keine Entfernung vom Leben haben: eine lächerliche korybantenhafteHingabe an das Vorderste, Augenblickliche hat sie diktiert. Zuchtlosigkeitist ihr Antrieb, freudlose Anmaßung ihr merkwürdiges Kennzeichen.Hier nun redet wieder die hochgezogene Seele eines Dichters.

carmina non priusaudita Musarum sacerdosVirginibus puerisque canto.

Diese Gedichte speien freilich nicht das gierig verschluckte Leben inganzen Brocken von Sensationen von sich, wie die Schakale und Hunde,aber sie sind ganz mit Leben durchdrungen und es ist gar nicht völlig ausihnen herauszuwickeln. So eins sind in echter Poesie, wie in der Natur,Kern und Schale, daß uns ein Teil des Gemeinten auf einem Wege zugeht,der dem Verstand unauffindbar ist.--------

Das Buch derHirten und Preisgedichte", als erstes gestellt, ist erfülltmit dem Reiz der Jugend. Es ist die gehaltene Anmut antiker Knaben-statuen darin, jenes bescheidene und nachdenkliche .Gürten der Lendenfür die Reife des Lebens'.

Die lieblichsten Schüler des Sokrates schweben ungenannt vorüber: Me-nexenes, Apollodoros, Charmides, Lysis; man ahnt, wie sie sich bewegthaben, man erinnert sich, wie schnell sie erröteten. Es ist fast keine Zeilein dem Buch, die nicht dem Triumph der Jugend gewidmet wäre.--------

Das scheue Wesen, die ahnungsvolle Fülle und Leere wird in schönenBeispielen ländlichen, einsamen Lebens gemalt und hier tritt eine frühe,halbsinnliche Frömmigkeit auf, eine knabenhafte Andacht zur untergehen-den Sonne und zu dunkelnden Wolken.------------Die gleiche Gesinnung

verbannt aus diesen Gedichten die breite Schilderung, die orgiastische un-reife Wiedergabe des dumpf Angeschauten. Es ist nichts von Qualm darin.Strenge Hintergründe bieten das Notwendige: den Strand, eine Straße,das Schiff, sparsame und bedeutende Linien wie an alten Krügen, vielessagend, wie im Traum, Umrißlinien des unterworfenen Lebens. DieseÜbereinstimmung zwischen Gesinnung und Manier hätten wir nicht ent-behren dürfen, ohne irre zu werden. Denn die künstlerische Kraft und dasWeltgefühl eines Künstlers sind eins. An wem die Welt mit verworrenenAuspizien zerrt, wer sich nicht selbst gehört, der hat keine Gewalt, dieWorte anders als scheinhaft und gemein zu setzen. Wer lügt, machtschlechte Metaphern. Die Verse, die ein Mensch schreibt, sind auf ewig einunentrinnbares Gefängnis seiner Seele, wie sein lebendiger Leib, wie seinlebendiges Leben. Es ist ganz so unmöglich, von außen Schönheit in einGedicht zu bringen, als es unmöglich ist, durch den Willen den Ausdruckseiner Augen schöner zu machen.

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