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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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den der neuen Herrschaft gewonnen haben, um die versunkenen und ver-sinkenden Träume in solcher Schönheit erstehen zu lassen. Daß der Fürstsich nicht aufbäumt sondern auch das Äußerste hinnimmt, daß ihn die ge-steigerten Leiden nicht erbittern und die scheue Traurigkeit vermehren,daß der ganz Verlassene sich dem versöhnenden Wasser übergibt, um insDunkel gleitend Vergessen und erlösende Ruhe zu finden, ist Sinnbild desinneren Geschickes, auf das George hier schon zurückschaut: auf die Ge-fahren und Leiden, als der kindliche Königstraum erlosch und in den grö-ßeren der geistigen Eroberung der Sprache einging, als er in das mütter-liche Element der Seele tauchte, um verwandelt zu erstehen.

Man muß die frühen Aufsätze von Hofmannsthal, Gerardy, Wolfskehl,Verwey, Klages gelesen, die Erinnerungen der bildenden Künstler jenerTage gehört haben, um zu begreifen, welch eine neue Erde ihnen in denBUCHERN aufging, wie die keusche und doch bezwingende Gebärde, dieadlige Anmut und Stärke der Gestalten sie ergriff! Es war die Zeit eineshohlen und groben Theaters und einer lauten nervenreizenden Musik, dasJahrzehnt, in dem auch die Staatsmänner zur bombastischen Geste, dieKaufleute und Unternehmer zur schreienden Reklame und die Massen-führer zum Straßen-Schlagwort griffen. Schon damals stellte die DichtungGeorges Welt gegen Welt. In den BÜCHERN war alles Grelle gedämpft,alles Laute vermieden, aber gerade am leisen Aufhub schwerer Wuchtenspürten die Künstler den Anbruch eines schöneren Menschenmorgens.Nicht ein Klassisches, nicht ein Romantisches, nicht ein Orientalisches hör-ten sie aus den Gedichten schwingen, wohl aber die Befreiung von den For-cen der eng gewordenen Überlieferung und den schlimmeren der künst-lerischen Verrohung ihrer Zeit: sie fühlten die Erweckung einer ursprüng-lichen ewigen Menschlichkeit gleich edel wie die der Antike, gleich frommwie die des Mittelalters, gleich schicksalsgläubig wie die des Orientsaber unseres Herzens und unseres Landes. Wir wollen von jenen Stimmenn ur die eine von Hofmannsthal, einige Sätze aus seiner schönen Bespre-c hung der BÜCHER anführen, da sie in seinen Werken bisher nicht wie-der gedruckt worden ist.Obwohl in einer reichlichen Breite der innerenu nd äußeren Erfahrung webend" schrieb er in der Wiener Wochenschrift»Die Zeit" vom 21. März 1896,ist in diesen drei Büchern Gedichte dasLeben so völlig gebändigt, so unterworfen, daß unserem an verworrenenLärm gewöhnten Sinn eine unglaubliche Ruhe und die Kühle eines tiefenTempels entgegenweht. Wir sind in einem Hain, den wie eine Insel diekühlen Abgründe ungeheueren Schweigens von den Wegen der Men-schen abtrennen.

Es ist ein Hauptmerkmal der schlechten Bücher unserer Zeit, daß sie

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