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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
Entstehung
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an die Mutter des ewigen Lichtes richtet als einer ihrer Priester mit ver-welkten Herzen und erloschenen Gluten.

Die Gedichte dieses Buches haben bald den trotzigen Klang eisenbe-wehrter Kämpfer und Beter, bald die Zartheit der keuschfingrigen Malerdes mittleren Alters und zum ersten Male sind hier die geisternden Seelen-kräfte eines christlichen Jahrtausends ganz deutsches Sprachgut gewor-den. George hat sie aus dem Bereich romantischer Sehnsüchte und ver-stockter Gelehrten-Überlieferung erlöst und auch sie zu Spannungen undSchichtungen des lebenden deutschen Menschen gemacht.

Im Buch der HÄNGENDEN GÄRTEN, einem der wenigen Werke Geor-ges mit abklingendem Rhythmus und entspanntem Schluß, ist der Traumdes kindlichen Königtums zu Ende geträumt. Der immer noch wache Triebnach unmittelbarer Auswirkung in einem staatlichen Handeln mußte in dendichterischen Kraftkern gezogen werden, wenn die geistige Herrschaftganz erstehen sollte. So führt der Dichter seine Seele im Bilde des öst-lichen Fürsten durch die Sphäre des Verzichtes, des Sich-Verlierens undErlöschens, Er verlegt diesen Vorgang in das Land des Unwahrschein-lichen und Willkürlichen, in das Reich der märchenhaften Phantastik, inder uns der Orient seit der Alexandersage, den Kreuzzügen, seit den EpenTassos, Ariostos, Wielands und noch dem Diwan Goethes und seinen Fol-gern schimmert. Denn nur in diesem fernsten fremdesten Raum konnte dieEntsagung wahrscheinlich, die Verflüchtigung möglich erscheinen. Hierwar das Ungewöhnliche alltäglich, unerwartete Erhebung und Sturz auchder Größten ein häufiges Spiel. George hat von dem Unendlich-Mannigfal-tigen des morgenländischen Märchen-Reiches genommen, wessen er be-durfte um den Luft- und Umkreis sichtbar zu machen, in dem die über denRand der Gestaltenwelt schweifende Seele sich bewegt: den glutvoll er-schlaffenden Atem um alle Dinge, die schwüle Begehrlichkeit aller sinn-lich bunten Reize, den betäubenden Prunk von Stahl und Purpur, Weih-rauch und Blumen. Der Blutrausch der Schlachten wie der Friedensabend,der Jubel der Feste wie der stillste Mittagstraum sind nur Zeichen für deneinen, der einmal ganz sich lösen und im Traum der Lust versinken will-In dieser schwelgenden Verschwendung von Lichtern und Wassern, Gär-ten und Bauten, Kriegern und Frauen ist die Herrschaft, nicht wie imALGABAL eine brennende Aufgabe mehr, sondern ein zu verschwenden-der Überfluß und ihr Träger ist von schrankenloser Hingabe in der Liebe,von willentlicher Unterwerfung unter die Schläge des Schicksals, von de-mütigem rachelosem Dienst vor dem glücklicheren Sieger. Wer das wider-standslose Erlöschen der Herrschaft in solcher Unbedingtheit fassenkonnte, mußte wie der Dichter der HÄNGENDEN GÄRTEN schon den Bo-

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