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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
Entstehung
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endung geführt werden sollte: die Darstellung lebender Persönlichkeitenm ihrer Einzelerscheinung, ihrem Verhältnis zum Dichter oder zu einemweiteren Kreis der Geselligkeit. Obwohl ihre Namen hier noch ins Sinnbildgehüllt sind gibt dieses doch Zeugnis von der Glut und Unmittelbarkeit,von der Milde und Mäßigung mit der George vor jeder großen und kleinenMenschlichkeit seiner Gefährten und Gefährtinnen stand und das Bild derhöchsten geselligen Stunden mit ihnen liebend und ehrfürchtig erhob undbewahrte.

In den SAGEN UND SÄNGEN sind in gleicher Weise nur in der Sphäreeiner anderen geschichtlichen Sinnbildlichkeit die Triebe und Dränge,Wünsche und Gewalten der Dichterseele Gestalt geworden. Urmensch-hche Leidenschaften und Eigenschaften, Fernzauber und Fahrfreude,Mannentreue und Frauendienst, Gottversunkenheit und Gottverlassen-heit sind in der besonderen Spiegelung, wie das christliche Mönchs- undRittertum, wie die aus ihnen genährte Sagen- und Legendendichtungu nd der noch währende Kult der katholischen Kirche sie ausgebildet undbewahrt hatten, mit einer von der ganzen Romantik vergeblich erstrebtenSinnfälligkeit in diese Lieder eingegangen. Ja sie haben hier zum erstenMale die große Dichterstimme gefunden. Denn was sich an menschlichenGeschicken frommer und tapferer Art in der gott- und minnesuchendenZeit begab und in ihren Gemeinschaftsformen, Bildern und Bauwerkene inen vollkommenen Ausdruck erhielt, hatte in der Dichtung des deut-schen Mittelalters keine gleichwertige Gestaltung gefunden, wie etwa diehellenischen Lebensbilder in der ihren. Die großen Gewalten des Daseins,das Diesseit und Jenseit, das Sinnliche und Übersinnliche, das Leiblicheund Geistige mußten sich in jenen Zeiten zweier Sprachen, der völkischenUr »d der lateinischen, bedienen und jede von ihnen entbehrte die der an-deren zufallende Hälfte des Menschenwesens für seine dichterische Gestal-tung. So blieben die Minnelieder ungeistig, die Kirchenhymnen unsinnlich,soweit sie sich nicht gelegentlich vom gegnerischen Körper Nahrung ent-hehen. Nur Dante ist es bekanntlich gelungen, diesen Zwiespalt aufzuhe-ben, indem er die ganzen himmlischen Sphären in die Volkssprache ein-begriff, ja mehr noch die ganze übersinnliche Welt auf seiner göttlichenReise mit den Gestalten und Leidenschaften seines sinnlich-irdischenDichtertums erfüllte. Die mißtrauende Kirche hat daher sein Werk erstvor wenigen Jahrzehnten ein Zeichen ihres alternden Feingefühlsv om Index der verbotenen Bücher gestrichen. Sie wird die Kraft nicht mehrhaben, die SAGEN UND SÄNGE Georges darauf zu setzen, in denen derweltliche Dichter frommere Weisen des ewigen Lebens singt als einer dergeistlichen seit einem Halbjahrtausend, in denen der Laie tiefere Gebete7 97