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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
Entstehung
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Vor diesen Gedichten erinnert man sich am ehesten, daß nie ein gemeinesWort über die Lippen Georges kam, daß keiner je eine häßliche oder ob-szöne Rede von ihm hörte.

Die Gestalten der BÜCHER sind die menschliche Erscheinung des voll-kommen schönen Gefüges der göttlichen Welt. Ihnen allen ob sie Siegeroder Gescheiterte, Erkorene oder Verworfene, Glückliche oder Verzich-tende sind ist die Kraft des Dichters mitgegeben, vor dem Schicksal zubestehen, das Notwendige fraglos und klaglos auf sich zu nehmen als Teildes Wachsens oder Welkens. Und diese Kraft zum willigen Aufgang oderwilligen Untergang ist immer ein Lebenbejahendes, ein Schönsein imTempel der Welt. Um die HIRTEN-GEDICHTE weht die griechische Luft,jenes innige Einssein von Mensch Natur und Schicksal, wie seit Winckel-mann und Goethe vor allem wir Deutsche es gespürt haben. Seit dieserAufbruchszeit war durch die Künste und Wissenschaften, neues Forschenund neue Funde ein noch tieferes Sehen der Antike möglich geworden.Durch die Werke der Vasenmalerei und Bildnerkunst und nicht zum min-desten durch die Böcklins und Marees, also auf dem augenhaften Wegehatte George vor allem den Zugang in die hellenische Frühzeit gefundenund hier sein eigenes heroisches Fühlen und Schauen verkörpert gesehen.In zweimal sieben Gestalten hat er den heroischen Geist in seiner maß-vollen Gelassenheit und opferwilligen Hingebung dargestellt: die hellenwie schwermütigen Zauber seiner Verflochtenheit mit Stern und Quell undPflanze und die ernsten wie düsteren Geschicke eines erbarmungslos wäh-lenden und verwerfenden Lebens von einer tragischen Unbedingtheit, dieGoethe noch erschauern machte und deren Erschütterungen er am liebstenvermied. Aber eben weil die Seele des deutschen Dichters vom gleichenLebensgefühl wie die der Griechen bebte, sind seine Gestalten und Land-schaften keine fernen Märchen mehr: Brunnen, Pappel und Fichte, Mäd-chen, Knaben und Männer sind seines sind unseres Wesens und atmen dieheimische Luft.

Auch wenn die PREISGEDICHTE nicht die Aufschrift trügenAufeinige junge Männer und Frauen dieser Zeit", würden wir unter den an-tiken Figuren nicht minder laut den Pulsschlag unserer Herzen fühlenund ahnen, daß hier im Gleichnis des Alten dem heimatlichen Leben eineneue Form der Feier entstanden ist: die Verklärung von Tag und Stunde,Ort und Fahrt im Verkehr mit den Nächsten, die Heiligung der freien Ge-bärde in der Freund- und Liebesgemeinschaft, die Ehrung der Schönheitals täglichen Gasts bei Mahl und Gespräch. Damit taucht zum ersten Maledie bislang in der lyrischen Gattung für unmöglich geltende Form auf, dievon nun an in allen Werken Georges wiederkehren und zur höchsten Voll-

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