der Gedichtkreise, die bei George nie etwas Zufälliges hat, wird als äußer-ster Rand von der Toneinheit erfaßt und deutet als sinngebendes Vor-zeichen die Gesamtlage der Dichtung an. Daß ein solcher Ton, der eine ge-rundete Götter- und Menschenwelt voraussetzt, in einem einzelnen Men-schen in gottloser Einsamkeit wieder erklingen konnte, ist ein Rätsel, dass »ch der begrifflichen Erklärung entzieht und nur das Geständnis erlaubt:«8 diesem Menschen lebt und beginnt eine neue Welt.
Und welch eine Welt trat hier in das waffenstarrende und waren-strotzende Ende des 19. Jahrhunderts! Ein fremdes Inselreich, dessen Ge-stalten von all dem nicht berührt schienen, was sich ringsum als „das Le-ben" gebärdete, die von anderem Ernst und anderer Lust brannten als dieZeitgenossen für die ihre priesen. Und doch besaß der Dichter zugleich wassie als ihr Höchstes achteten in größerem Reichtum als sie selbst: Er warwessen sie sich rühmten: Sohn der Erde aus einer tieferen Schicht und indichterer Fülle als sie nur ahnen konnten. Es ist bezeichnend für die Formder „Erinnerung" von der wir sprachen, daß sie sich bei George nicht aufPlatonische Ideen noch christliche Uberhimmel richtete sondern auf ver-wandten Ort und Leib, auf irdisches Gewächs und Ding. Denn es unterschei-det Götter und Welten wie die großen schöpf er ischen Seelen ihren Ursprung°der die Heimkehr in ihr Eigen fühlen, ob zu den ewigen Bildern wie Piaton,den Wohnungen des Vaters wie Christus, den Bogen des unendlichen LichtesWie Dante — George sah sie in den BÜCHERN in den Altern der Erde woder Mensch am schönsten blühte, er war von Bildern einer göttlichen Hei-mat trächtig, die sich hier auf mütterlichem Grund vollendet hatten undWieder vollenden sollten. Drei orphische Sphären des Vergangen-Gegen-wärtigen öffnen die BÜCHER: die des heldischen und opfernden Men-schen wie ihn vor allem Griechenland, die des ritterlich-frommen und min-ne nden Menschen wie ihn das christliche Mittelalter, und die des schick-salswilHgen und sich vergeudenden Menschen wie ihn das Morgenland inden klarsten Grundformen gestaltet hat. Welches Alters oder Geschlechtesdieser Mensch ist, in welche Schicksale oder Begebenheiten er gestellt ist:lr nmer ist dieser Mensch schön oder ersehnt doch wie der Flurgott und°er Faun die Schönheit als höchstes Gut, immer ist die Landschaft undUmgebung in die er gestellt ist schön vom erhabenen Sinnbild der unbe-rührten Traumeinsamkeit des „Herrn der Insel" bis zu den lichtüberstrahl-te n Trümmern der eroberten Stadt in den HÄNGENDEN GÄRTEN. WieSc hön muß diese Dichterseele sein, da noch das Häßliche und Ungenü-gende, das Sieche und Trümmerhafte in ihren Gesichten groß und schöner scheint und uns durch die Trauer des Verzichtes, die Scheu das Voll-•°mmnere zu stören oder ein stummes Beiseitegehen entzückt und rührt!
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