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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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stalten sahen: das ganze Werk ist in einer dreiteiligen zyklischen Ordnunggeplant und durchgeführt, jeder der drei Bereiche vollendet sich in einemgeschlossenen Gedichtkreis, der selbst wieder eine Zwei- oder Dreiteilungdes Raumes aufweist. In jedem der Gedichtkreise ähneln die Versmaßeund Strofenbauten sich leise den Zeiträumen an, denen der sinnbildendeGehalt entstammt, aber nirgends sind die alten Formen wie im Barock undin der Klassik einfach nachgeahmt. In den HIRTEN- und PREISGEDICHTENsind antike Maße in freier Umformung verwendet oder nur anklingenddurchgeführt, die SAGEN UND SÄNGE geben nicht den Aufbau proven-zalischer oder deutscher Minnelieder wieder, aber haben von ihrem Ton-fall so viel aufgenommen um das Ethos jener Lieder anklingen zu lassen.Für die HÄNGENDEN GÄRTEN liegen überhaupt keine unmittelbaren Vor-bilder vor, höchstens klingen die poetischen Stellen aus Tausend und einerNacht persischer Herkunft wie alles Poetische darin und etwa dasHohelied von ferne an. Die zarte Ferntönung bleibt an keiner Stellefremdes Element, ja es ist das Wunder dieser Gedichte, daß die Ort- undZeitfarbe der vergangenen Bildungswelten ganz ins Heutige eingegangenist. Der eigene Ton Georges überherrscht alle Maßgebilde mit unbedingterGewalt, er war es ja der schon im Durchbruch der ersten Werke demWort sein neues Geheimnis gab und nun auch die neuen Seelenbereichefür die verwandelte Sprache eroberte. Gerade das Weiterschwingen die-ses Tones in den völlig veränderten Stoff- und Maßgefügen der BÜCHERzeigte an, daß es sich bei seiner Erscheinung nicht um die gelegentlicheGefühlslage eines Dichters noch um die Ausklügelung technischer Kunst-griffe handelte, sondern um den notwendigen Ausdruck einer dichterischenWesensart, wie sie alle Völker und Zeiten einer einheitlichen Lebensbil-dung besessen haben. Es ist der festlich durchgehaltene, derDauerton", wieGundolf ihn genannt hat, der über die nur persönliche und nur gelegent-liche Gefühlsäußerung hinaus von einem Bleibenden, Göttlich-Lebendigenin Leib und Seele kündet, von der ewigen Feier eines gläubigen Geistes,für den die heilige Welt eine unbezweifelte Wirklichkeit ist. Im zartenLiede wie im Zorn- oder Lobgesang behält dieser Ton ein gehobenesdurchwaltendes Maß und gibt dadurch erst den Boden her für eine festedichterische Überlieferung, für Schöpfungszeiten von langanhaltendemAtem, in denen sich eine künstlerische Stileinheit bilden kann. Im Ge-orgeschen Gedichtkreis ist diese Stileinheit bei völliger Durchbildung undSelbständigkeit der Einzelgebilde vorgeschaffen. Die lebendige Unter-schiedenheit der Teile wird gebunden durch e i n Gesetz, dem jeder in sichund in der Aufeinanderfolge aller gehorcht, so daß im Wechsel der Ein-zeltöne zugleich der Einklang des Ganzen liegt. Ja noch die Titelgebung

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