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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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dem Werke. Die Sprache, das Drängen des Gottes zu sagen, war geschaf-fen, die Kraft, das Leben zu durchdringen, war geweiht, die unantastbareFerne über der eigenen Zeit war erreicht. So gewappnet und gefeit tat derGeist des Dichters den ersten Blick in das Wo und Wann seiner Umwelt.Er trat aus dem innersten Ring des Ich an den ihm nächsten Stoff: an dieihn selbst bedingende geistige Ahnenschaft, an sein Erbe als Deutscher andiesem Ort und in dieser Stunde der Welt. Noch bevor er mit Schuler dieSpät-Antike, mit Gerardy und Lechter das Mittelalter, mit Waclaw undWolfskehl den Orient liebend und schauend durchfuhr, hatte George dieGestaltung der BÜCHER begonnen und die Grundbedingungen unseresgeistigen Baues, jene drei großen Bildungswelten in den Bereich seinerDichtung gezogen. Die ihn durchbebende Erregung dieser Gesichte gabin diesen Jahren dem Freundesgespräche über das Morgen- und Abend-land, gab den gemeinsamen Fahrten durchunsere noch unentweihtenTäler und Wälder unsere mittelalterlichen Ströme und die sinnlicheLuft unserer angebeteten Städte" jenen begeisterten Schwung und Atem,der in den Prosestücken und auch den Dichtungen der Gefährten seinenAusdruck fand. Dem Dichter gab dieses Mitschwingen der Nächsten dielebendige Luft der Gegenwart, deren er zum Schaffen bedarf: er muß dasMenschentum auch ältester Ahnen im Beben lebender Seelen spüren, dieihn erschüttern und rühren, um es ins Hier und Heute bannen zu können.Die schon trümmerhaften und die noch stehenden Werke der Vergangen-heit in Landschaft, Kirche und Palast, in Sage, Buch und Bildwerk spie-gelten sich ihm aus Wort und Miene von Freund und Freundin wider undnicht ihr gewesenes sondern ihr noch seiendes Menschtum nährte seineEinbildung.Von unseren drei großen Bildungswelten" sagt die Vorredezu den BUCHERNist hier nicht mehr enthalten als in einigen von unsnoch eben lebt".

Es bleibt freilich dem nachforschenden Verstände unbegreiflich, wie derjunge Dichter eine solche Gesamterkenntnis und ein solches Einzelwissenvon jenen großen Bildungswelten besitzen konnte, das zu erlangen einStudium mehrer Jahrzehnte nicht zu genügen scheint. Es bleibt uns nurdie Erklärung, daß nicht nur das erworbene Bildungserbe des letztenJahrhunderts wie es die Künste und Wissenschaften aufgehäuft hatten, inGeorge lebendig gegenwärtig war: daß vielmehr darüber hinaus sein Wis-sen rätselhaft in jene Zeiten selbst zurückreichte und in seinem Blute,wie er es in Spanien tief erschüttert gefühlt hatte, die Erinnerung vonJahrtausenden schlummerte.In jedem Menschen" sagt Jean Paul,woh-nen alle Formen der Menschheit, all ihre Charaktere, und der eigne ist nurdie unbegreifliche Schöpfungswahl Einer Welt unter der Unendlichkeit

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