Herkunft aus einem Lande getragen, in dem einst jeder adlig war und Kö-nig werden konnte, ein Anspruch der in den edleren Naturen auch nachden furchtbaren Geschicken ihres Vaterlandes noch als hohe Forderungan sie selbst und als Verpflichtung zu einer getragenen Lebenshaltungweiterwirkte, wie es stolzen Verbannten auch selbstverschuldeten Schick-sals geziemt.
George lernte viel von ihm für die Gestaltung seines Selbst und sagt esgern, wie Großes er ihm dankt. In den folgenden Jahren kam er fast nurum Waclaws willen nach Paris, lernte um seinetwillen die polnischeSprache und genoß im schnelleren Näherrücken mit ihm einen wunder-baren Austausch inneren Lebens. Sie sagten einander Dinge, wie sie nurDichter sich zu sagen haben, die über anderes sprechen müssen und kön-nen, als sonst Menschen tun, und ihre dichterischen Geister schlugen soinnig zusammen, daß polnische Gedichte aus Waclaws Munde sich inGeorges Ohr und Mund sogleich zu deutschen formten. So entstandendurch die beiden gemeinsame Schöpfungen wie aus einer Seele und alsWaclaw sie im dritten Bande seiner poetischen, dem fünften seiner Ge-samt-Werke 1897 veröffentlichte setzte er dem Bande als Ehrung dieserEinigung die Widmung in deutschen Versen vor:
Wir der Bewahrer des geistigen Erbes:
An Stefan George mit der Seele des nächtigen Rheins.
Er einzig unter den trüben germanischen Völkern
Freite zu wahrem Bund das unfehlbare Wort.
Feierte sein Geschick in erhabenen Strofen
Sang mit Frömmigkeit seine stolzesten Lieben.
In der Unsterblichkeit treuen Armen
Wird er verhauchen gleich hehren Festgesängen.
Erde zu jener Zeit sei leicht für ihn
War er für dich ja nur ein Kuß von Gott.
Er nahm in diesen Band auch das ihn bezeichnende Gedicht Georges,An Kallimachus' und sieben jener Gedichte, die am nächsten ihr Erlebnisberührten, in deutscher und polnischer Sprache auf. Sie sind in einemhöheren und wirklicheren Sinne als es bei manchen Umdichtungen Ge-rardys und Verweys durch George der Fall ist, zweigezeugte Früchtegleichstarker männlicher Geister und haben aus dieser einzigen und nie er-hörten Entstehung eine besondere Weite und Schwere. „Man «schätzt"schrieb Verwey einige Jahre später von ihnen, „in einem so großen Landelebend, die verschiedenen Pflanzen die aus anderen Rassen und Erden auf-reifen. So ist, seine polnische Sprache ablegend, Waclaw Lieder zu seinemNachbarn übergegangen. Es ist in diesem polnischen Geist etwas, daszuerst nicht deutsch scheint, etwas Morgenländisches vom Hohenlied, aber
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