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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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rninsky zeigte, ehmals aus Ermland gekommen war. Schon sein Vaterhatte polnische Volkslieder gesammelt und der Sohn überkam wohl von»hm das dichterische Geblüt. Als Student widmete Waclaw sich denSprachwissenschaften vor allem der Erforschung des Orients und hatneben anderen Studien auch eine arabische Grammatik und Über-setzungen von persischen Dichtern verfaßt. Wie viele vornehme Polenlebte er lange in Paris wo George ihn schon 1889 kennenlernte, aber demErschlossenen jungen Manne erst nach mehreren Jahren näherkam. Denne r war der ernsteste und finsterste unter den Freunden in Paris: der staat-u nd vaterlandslose Gast unter den Erben der ältesten und festesten Staats-Und Volksgebilde. Dann freilich als die beiden einander aufzuschließenbegannen und aus langsamem Zögern und Werben die Flamme schlug,verband die Fremdlinge eine Freundschaft, die keiner von ihnen bei denFranzosen gefunden hätte, in deren Beziehungen ein letzter literarischerRest das tiefere menschliche Verhältnis hemmte. Lieder pflegte zu sagen:allen französischen Dichtern fehlt das Priesterliche. Die Augen Georgeshatten in der Begeisterung des Aufbruchs in den französischen Zirkeln*nehr gesehen als sie gewähren konnten, es waren die Augen des Deut-schen, der ein anderes Reich suchte als jene nur denken konnten. Die»litterature", die für den Franzosen jener Inbegriff von technischem Kön-nen, publizistischem Wirken und feinstem Genießen ist, war etwas anderesals die Dichtung, welche er fühlte und suchte. Auch die kühnsten PariserNeuerer konnten gleichsam nie ganz ohne Akademie sein und sahen inder dichterischen Äußerung stets mehr die Mitteilung an die Umgebung,die formale Beziehung zur Gesellschaft als die Erschütterung des ur-sprünglichen Geistes. Ihre Auffassung von der Dichtung hatte gegen dieWaclaw Lieders etwas Profanes. Er sah wie George in der Dichtung dieStimme des Göttlichen, die Weltstimme des Menschen, der unbekümmertUr n das Draußen sich äußert weil er muß und singt was ihm drinnen ge-boten wird. Doch war es anfangs für George schwer bis zu diesem Kernegleicher Anschauungen vorzudringen, weil er noch ohne Kenntnis des Pol-nischen, also auch ohne Einblick in die schon bestehenden polnischen Dich-tungen Waclaws war. Dieser beherrschte zwar das Deutsche durchaus,w ar aber schweigsam und verriet von seinem inneren Wissen und Wesennichts. Er war ein schöner hoher bleicher Mann mit dunklem Haar unddichtem Bart, der in späteren Jahren wegfiel, mit tiefdunklen Augen, ausdenen ein ruhiger Blick souverän über alles hinwegschaute, von vorneh-mer Haltung und gemessen freundlichen Formen des Umgangs: in deräußeren Erscheinung wie im ganzen Wesen der ritterlichste Mensch demGeorge begegnet ist. Seine adlige Menschlichkeit wurde noch durch die

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