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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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3- KAPITEL: VON BELGIEN BIS POLEN

ÜBER der wachsenden Fülle gemeinsamen Lebens mit den Gefährtenin Deutschland hatte George den Verkehr mit seinen Freunden imWesten nicht versäumt. Er besuchte Gerardy und Mockel in Lüttich undder Generaldirektor der belgischen Museen Glesener hat uns launig ausder Erinnerung geschildert wie er ihn damals in Mockels Begleitung sah:»einen vornehmen Fremden, dessen gequälte Stirn und gebieterischer Kie-fer, dessen sardonisches Auge und blitzendes Monokel sogleich einen star-ken Eindruck auf mich machten-------der sein Glas mit der Gebärde eines

Gottes leerte, indem er es wie eine Schale Ambrosia schwenkte". Er ver-weilte mit Gerardy auch einmal auf dessen Wohnsitz in Tilff in der Nähev on Lüttich, wo er dessen Freund Auguste Donnay kennenlernte. Seitl8 94 blieb er regelmäßig bis zum Ende des Jahrzehnts auf den Fahrtenv on oder nach Paris einige Monate in Brüssel, wo die Freunde ausLüttich und Deutschland und zuweilen einer der Pariser mit ihm undGerardy zusammentrafen. Hier machte er die Bekanntschaft von Charlesv an Lerberghe, dem Vorläufer und Freunde Maeterlincks, von Emil Ver-"aeren, der schon durch eine Anzahl von Werken in Belgien und Frank-r eich bekannt geworden war und Edmond Rassenfosse, der eben diehübsche DichtungDit un Page" herausgab und bald ÜbertragungenGeorgescher Gedichte im Reveil (Okt. 1895) veröffentlichte. Zu diesenRichtern gesellten sich mehrere bildende Künstler: neben Donnay derZeichner Armand Rassenfosse, ein Schüler von Felicien Rops, und derMaler Fernand Khnopff, der bei einem Aufenthalt in England noch BurnesJones gesehen hatte und George unmittelbare Kunde von den Präraffae-hten brachte, als sie in Deutschland noch kaum jemand kannte. In diesenKünstlern mischten sich, wie in Brüssel selbst, die wallonischen und flä-mischen Elemente, wenn auch die ersteren vorherrschten und geistig be-stimmend waren. Sie erinnerten sich wieder der untergegangenen Herr-lichkeit Burgunds, dessen Ausstrahlungen lange erloschen blieben, nach-dem das Land seine letzte Verbindung mit dem alten Heiligen Reiche ver-loren hatte. Jetzt wachte der Stolz auf dieses Erbe wieder auf, bei den einendie Zeit wo flämisch so viel wie gut und edel bedeutete oder die Freiheit inden Schwertfäusten flandrischer Bürger ruhte, bei den andern die Zeit derPrunkvollen Höfe der Brabanter, Burgunder und Habsburger, als die Kunstder Bildhauer, Goldschmiede, Holzschneider und Kupferstecher ihre wun-dervollen Werke schuf, bei beiden die Erinnerung an die heiteren Liederder Vorfahren, an die großen Namen der Tonkunst wie des Roland deLattre und Josquin des Pres und die nicht geringeren der Malerei: der

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