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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
Entstehung
Seite
84
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ren gemeinsamer Wanderungen überall auf, in Paris, in Brüssel, in Mün-chen und anderswo, wohin den gleich Leichtfüßigen die Freunde riefen.Auch George liebte diesen einzigen wirklichen deutschenDekadent", derzu der seltsamen Umkehrung seiner Kräfte doch auch die gleiche Unbe-dingtheit seiner Natur mit ihm teilte. Unvergleichlich war Perls in derSicherheit seiner Aussagen über Menschen und Dinge: sein Urteil besaßdie Giftigkeit aber auch die Hellsichtigkeit der Kranken und in guten Stun-den hatte er den sprühenden Witz und Tiefblick der Todgeweihten. Nichtzuletzt: seine Bewegungen waren die eines ruhigen vornehmen Weltman-nes der alles Hastige und Laute haßte, aber freilich durch sein seltsamesGebaren dazu beigetragen hat, die ganze Blättergemeinschaft in den Rufeines Ästhetenkreises zu bringen.Er war sehr schön," schrieb Wolfs-kehl jüngst bei der Versteigerung seiner Bücherei von ihm,leichtestergeschliffenster anmutigster Geistigkeit, ein unvergleichlicher Leser, Be-obachter, Errater, Sager. Viele seiner Zufallsworte, schillernden oder tiefenSätze sind heute noch unvergessen, nicht nur im Gedächtnis der Freundeblieben sie bewahrt, man trifft sie mehr oder weniger umgebogen immerwieder als schärfste meist freilich ablehnende Formulierungen einer Stel-lungnahme zu den Problemen der Zeit, die in ihrer Weise an Oscar Wildeerinnert".

Dieser Müde aber Getriebene, Todnahe aber Unverzagte, der mit zwanzigJahren mehr vom Leben wußte als die Alten und Gesunden, hat einigewenige Gedichte verfaßt, als er in die Wachstumsluft Georges getretenwar, welcheden wenigen, die damals um deutsche Dichtung wußten odersich mühten, durch ihre Reinheit, Entstofflichung und das zum Lächelnverklärte Leid ihresSchwingens ganz nahe gingen und deren Zauber die Emp-fänglichen heute und immer rühren und berücken wird". Sie sind die insWort gebannte Geste dieses Lebens: die blaue Blume der Sehnsucht, dieseinem Auge noch einmal in der Dichtung aufleuchtet, ist zugleich dieBlume des Todes und man spürt: das irdische Wissen um sie wird baldvom neuen tieferen Wissen um sie im hohen Sphärenklang abgelöst wer-den. Aber durch die schwere klare Traurigkeit des unabwendbaren Ab-schieds klingt ein leiser verhaltener Jubel über das Stolzgetragene undNahgeschaute: Grüße des Sinkenden an das schöne Leben!