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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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schmachten". Der Weg zu einer solchen war freilich schwerer und weiterals damals die jugendlichen Kunstjünger ahnten. George sah schon beimErscheinen derKunstchronik", deren zweites Heft der Herausgeber zuseiner Selbstverherrlichung gebrauchte, daß jeder zu frühe Schritt in dieÖffentlichkeit sein Werk eher gefährde als fördere. Wenn es den jungen"Ucher trieb die Umwelt kennenzulernen, so erfuhr er dabei am ehesten,w as ihn nicht anging und fand sich in seinem innersten Glauben be-stätigt, daß nur in der engsten persönlichen Verbindung mit Gleich-gearteten auf dem von ihm beherrschten Boden der Blätter ein frucht-bares Wirken möglich war. Und das Nötigste, Gefährten, gewährte dasSchicksal.

Noch bevor die zweite Folge abschloß, trat im Januar 1895 ein neuer anseine Seite, jung aber schon vom Tode gezeichnet, arm an Freuden aberrei ch an Wissen und fremden Erfahrungen: Richard Perls. Der im Jahrex ^73 in Gleiwitz geborene Schlesier war von kleiner zarter Gestalt, hattekohlschwarzes Haar und große schwarze Augen, aber die blasse durch-sichtige Haut eines Kranken. Ein inneres Fieber hetzte ihn von einem OrtEu m andern ruhelos durch ganz Europa, wie Nietzsche begeisterte er sichw enig e Tage für eine Stadt um sie kurz darauf unerträglich und scheuß-llc h zu finden und wie dieser gebrauchte er gegen seinen Dämon der Un-r uhe Mittel, die ihm völlig die Ruhe raubten und seinen frühen Tod herbei-führten. Aber von einem unersättlichen Wissenshunger erfüllt, benutzteer noch seine schlaflosen Nächte, um das Schrifttum und die neuen Kunst-bewegungen der Länder, die er durchreiste, vor allem den ganzen romani-Sc hen Bildungsraum zu durchforschen und wurde ohne geregeltes Stu-dium auch ein guter Kenner der deutschen Philosophie vor allem Schopen-hauers und Nietzsches. Weltwanderer und Sammler hatte er eine derbesten Büchereien der EndJahrzehnte des 19. Jahrhunderts, des Fin-de-siecle-Schrifttums von Barbey d'Aurevilly und Baudelaire bis Verlaineu nd Rimbaud in Frankreich, von Eiskamp bis Verhaeren in Belgien mitle idenschaftlichem Eifer gesammelt und in München aufgestellt. In Georgetr af er auf die Kraft, die seine Triebe und Neigungen teilte, ja selbst besaßaber in gerader bejahender Umkehrung: auf den Wanderer nicht aus Ziel-losigkert sondern aus zielsicherem Willen, auf den Liebhaber der feinstenaus gebildeten Künste, aber nicht aus Liebe zur Spätzeit sondern aus le-henschaffender Lust, auf den Freund der Bücher aber nicht den Sammlers °ndern Werkmeister und endlich auf den Träger alter und neuer Weis-heit, aber nicht aus dem Studium der Philosophen sondern aus eigner Füllede r Gesichte. Daher liebte der Zarte in George das lebendige kraftvollere

>ld seines Selbst mit voller Inbrunst und suchte ihn in den kurzen Jah-

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