Diese Künstler und nur diese lernte George in der Mehrzahl um die Mitteder neunziger Jahre kennen. Alle, die vom Naturalismus und Impressionis-mus los wollten, fühlten in ihm nach dem Erscheinen seiner ersten Dich-tungen den Gleichgesinnten und als schon die ersten Folgen rühmend dieNamen Böcklin und Klinger nannten und ihren Werken Beschreibung undLobrede widmeten, auch den Mitstreiter auf dem gemeinsamen Kampf-felde. Im Laufe des Jahres 1894 traf George mit Thomas Theodor Heinedem bekannten Zeichner, Otto Eckmann, dem späteren Lehrer der Ber-liner Kunstgewerbeschule, dem Zeichner und Maler Hermann Schlittgen,dem Bildnismaler Leo Samberger, einem Altbayern, und Gebhard Fugel,einem katholischen Schwaben, zusammen. Der letztere malte bald ein Por-trät Georges, das er in der Münchener Jahresausstellung im Kgl. Glas-Palast ausstellte. Die meisten von diesen Künstlern nahmen durch Beila-gen, Heine durch eine Umschlagszeichnung auch tätigen Anteil an demv °n den Blättern im Augustband verkündeten Plan: sich auch den ver-wandten Ton- und bildenden Künsten zu erschließen und wie schon diebelgischen Freunde so auch die heimischen Künstler zur Mithilfe an ihremUnternehmen zu bewegen. Schon der zweiten Folge lagen die Abdrucke jeei ner Zeichnung von August Donnay, Fernand Khnopff und eines Bildesvon Leo Samberger bei. Die Tonkunst wurde vertreten durch den BerlinerKomponisten Kurt Peters, den späteren Musikmeister in Hamburg Karl"allwachs und den späteren Münchener Theaterintendanten Clemens vonFranckenstein, die inzwischen persönlich mit George in Berührung ge-kommen waren.
So stand der Dichter schon nach kurzer Zeit in der Isarstadt in einemKreis junger Männer, die alle vom gleichen leidenschaftlichen Trieb zur Er-neuerung der Kunst beseelt waren. Ihre Meinungen und Absichten gingenSewiß weit auseinander und manche dieser Talente wogen nicht allzu schwer,a °er sie besaßen jenen Ernst in Dingen der Kunst, auf den es Georgeankam und der sie befähigte auch den neuen dichterischen Ton zu ver-n ehmen. Was sie daran ergriff, lag nicht so sehr in der Richtung der vomdichter selbst noch ersehnten Klarheit und Kühle der Form noch imtathaft nüchternen Willen, den seine Sinnbilder bargen, sie entzündetens, ch mehr an der leidenschaftlichen Heiligung und rauschhaften Erhöhungder Kunst, die aus den neuen Gedichten sprach. Aber es war für Georgebesonders wichtig, daß die bildenden Künstler, und nicht die Literaten zu-er st seine Dichtung aufnahmen, daß die nicht literarisch verbildeten undn »cht wissenschaftlich beengten Geister sofort das Sinnlich-Bildhafte derne uen Dichtung augenhaft erfaßten und mit erschüttertem Herzen als dasLand ihrer Träume begrüßten. Es war ihm ein Zeichen, daß die unge-
8!