Naturalismus und Impressionismus aufging, sondern als Könner stark ge-nug war, die technischen Mittel beider Richtungen zu beherrschen und zuüberherrschen, als Person groß genug, um in allem Wechsel der Meinun-gen und Schulen, Befeindungen und Belobungen seinen Eigenwuchs unge-brochen zu behaupten, als Künstler tief genug, um bewußt oder unbewußtdie künstlerische Schöpfung in der sinnbildlichen Gestaltung zu finden. Erwar als Deutscher an geistiger und sinnlicher Glut reich genug, um dasüberkommene Erbe von Antike und Renaissance, Klassik und Romantiknicht allein zu bewahren, nein mit einem eigenen urtümlichen Feuer zu be-seelen und seinen Wesen und Landschaften — beide Geschöpfe gleichenUrsprungs — jene unvergleichliche Echtheit des Lebens zu geben, die unsihren Atem mitatmen, ihr gesteigertes Pulsen durch gesteigerte Lust desDaseins mitpulsen macht. Es bedeutete in jenen Jahrzehnten des Zerfal-lens der überlieferten Werte, sowohl der christlich-religiösen wie der adlig-weltlichen Sitten und Bilder, ein Ungeheueres für das deutsche Schicksal,daß ein Künstler bis zu einem urtümlichen Grunde durchstoßen konnte:dem des schönen und starken Wachstums, auf dem Mensch und Tier,Halbmensch und Halbtier, Pflanze und Stein in einem leiblichen Sinnefromm und in schaubarer Einheit lebten; daß dieser Künstler trotz derVerflachung und Erniedrigung des privaten wie öffentlichen Lebens seinenErscheinungen eine durch alle Stufungen und Regungen sichere Getragen-heit der Geste vom Feierlichen bis zum Burlesken gab und trotz dergrauenhaft wachsenden Seellosigkeit ringsum seinen Geschöpfen jene tiefetragische Heiterkeit des Auges verlieh, die verriet, daß noch neues Ge-heimnis im deutschen Blute glühte.
Eine Reihe von Künstlern, Klinger, Stuck, von Hofmann, Lechter,einige von der Münchener Gruppe der „Jugend" u. a. mochten sie in vie-lem, als Kinder ihrer Zeit, unter den gleichen Bedingtheiten stehen wie diegegnerischen Schulen, blieben durch Böcklin und Marees vor dem Auf-gehen in der plebejischen und ungeistigen Reizkunst bewahrt und suchtenim Bildwerk wieder menschlich-wesentliche Seelengehalte zu geben undLinien, Farben und Lichter der Formung bedeutender Gegenstände dienst-bar zu machen. Die Liebe zum höheren Leben verband sich bei ihnen meistmit einer sorgfältigen Pflege und eignen Ausgestaltung der Werkmittelund es ist kennzeichnend, daß besonders von Männern dieser Richtung dieErneuerung des Kunsthandwerks ausgegangen ist, jene schlichten Ver-suche — heute schon wichtiger als die ablaufende Tafelmalerei —, dieDinge des Gebrauchs in schönen Maßen, guten Stoffen und Farben herzu-stellen und die im Maschinenzeitalter verlorengegangenen Handfertigkei-ten wieder zu erwerben.
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