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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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spätgekommenen in die harten Rätsel des Lebens schaut und mit der rüh-renden Anmut der Jugend sich vor dem Unbegreifbaren beugt das schönist und doch zermalmt.

Daneben stehen die Stücke von Klages wie eine nordische Sturmnachtneben einem sanften südlichen Abendhimmel. Wie an seiner Gestalt Desi-derata werden in seiner Seele altersgraue Zeiten wach, die Erinnerung andas schon Schlummernde wird durch irgendein Zeichen in ihr aufgewecktund sie fährt auf der eigenen Blutfahne rückwärts in ihr gewesenes unddoch auch seiendes Leben. Mensch und Ding sind bei ihm vom Geheimnisder Schatten umwittert und stehen immer auf dem Gefahrpunkt einesdunklen Schicksals, seine Gestalten treten nur jäh beleuchtet oder groß-schattig aus der Nacht: im Blitz der sie trifft oder im kleinen Licht desHauses, das im Sturme zittert. Ein Barbarenhauch der Heide bricht ausdiesen frühen Gedichten, die Sprache ist stockend wie aussetzende Wind-stöße und das innere Gesicht nicht völlig durchformt, als ob Gedanken sicheinmischten, die doch zurückgedrängt und verschwiegen würden.

Im Gegensatz dazu ist Wolfskehl ganz Dichter, vom Sprachlichen ausbewegt, seine ersten Verse von einer metrisch-strengen Durchbildung,die erst ein Jahrfünft später unter dem Einbruch schwerer Erschütterun-gen sich zu lockern begann. Hier ist sie noch ganz von der neugewonnenenhandwerklichen Zucht beherrscht, obwohl die Maßfolgen reichbewegtund immer wechselnd sind. Man spürt zuweilen noch den Kenner der Klas-sik und Romantik durch, aber jeder epigonale Rest ist im neuen Feuer auf-gezehrt. Sein Seelengut ist älter als das von Andrian, reicher als das vonKlages und vor beiden zeichnet ihn eine Kraft der Vergegenwärtigungdes Erbes aus, die diese älteste Seele als die jüngste und heutigste erschei-nen läßt. Die Gestalten, die sie heraufführt, bewegen sich um das Ge-heimnis des Opfers und des heldischen Lebens. Die Sinnbilder sind meistdem Vorstellungsbereich des Altertums entnommen, aber sie deuten undbedeuten das Geschehen des Nun und Hier: Sehnsucht und Gefahr desWachstums, Spähe nach dem königlichen Führer, Bereitschaft zum/ Dienst, Spende und Fest.

Mit der zweiten Folge begann auch eine Erweiterung derBlätter" aufdas Gebiet der bildenden Kunst, nicht etwa so, daß George mit den weni-gen eingeschalteten Kunstbeilagen ähnlich wie mit den Dichtungen einMuster für die Umordnung des Malerischen zu geben meinte sondern so,daß er allgemein auf die Einheit der verschiedenen Künste hinweisen wollte.

Er fand auch auf dem Gebiete der bildenden Künste, besonders der imVordergrund des Anteils stehenden Malerei, die gleichen Gegensätze wieim Schrifttum vor. Die ihm von Paris her wohlbekannte von Courbet, dem

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