Sie sind keine Sittenprediger und lieben nur die Schönheit die Schön-heit die Schönheit". So Gerardy und nicht anders als der Ton des wallo-nischen Franken klang der des weifischen Niedersachsen wenn er von demtiefsten Kennzeichen des Meisterwerkes sprach: „daß es in uns eine Lustentzündet, etwas Ungeheures hervorzubringen. Aufgewühlt werden in unsschlummernde Tiefen. Wir erwachen aus dem Leben des Alltags wie auseiner öden Vereisung der mächtigen Ströme unseres Innern. Mit Erstau-nen glauben wir neue Kräfte zu entdecken und werden einer ungewohntenSpannung gewahr. Dies Ringen und Branden ist der Kampf mit dem Ge-nius des Künstlers — aber es ist ein berauschender Kampf. Die Kunstheizt mit Lebensdurst und großen Selbstgefühlen und das ist die höchsteWirkung, die Dichter und Künstler wünschen dürfen" ... denn „mögen siesich selbst über den eigentlichen Zweck ihres Schaffens täuschen, es bleibtdoch das Nämliche: ein Leben hervorzubringen das höhere Wogen schlägta ls das wirkliche und mit dessen Notwendigkeiten eine menschliche Will-kür schaltet".
Und doch waren dies nur die Begleittöne, welche neben den neuen Dich-tungen in der zweiten Folge einen kaum nennenswerten Raum einnahmenund erst von diesen her ihren Ursprung und Sinn bekamen! Von Georgeselbst enthielt sie eine Anzahl Gedichte aus den noch unveröffentlichtenBÜCHERN, auch die darin nicht aufgenommene Sage „Die Herrin betet",Proben aus dem werdenden JAHR DER SEELE, Übertragungen vonBaudelaire, Verlaine, Rossetti und Waclaw Lieder, einige Prosastückea us TAGE UND TATEN und die Umschreibungen einiger Auftritte aus>Manuel'. Zu den früheren Mitarbeitern, von denen Hofmannsthal dreisonst nicht mehr veröffentlichte Gedichte, Gerardy die schönen „Ritter-lichen Träume" „Jungfrauen", und die George-Widmung, Karl AugustKlein, Dauthendey und Georg Edward ihre Lieder beisteuerten, traten dieneugewonnenen Freunde Andrian, Klages, Wolfskehl schon im ersten undzweiten Bande, dann im fünften Bande Richard Perls, von dem noch zureden sein wird. Die Beiträge der drei Erstgenannten sind von einer Be-sonderung und Eigenwilligkeit, welche die Rede von den „NachahmernGeorges" schon in dieser Frühzeit Lügen straft und sie nur aus einer zuschwachen Hörfähigkeit und mangelnden Unterscheidungsgabe der Be-urteiler erklärbar macht. Die Lieder Andrians unterscheiden sich trotz derSemeinsamen Wiener Herkunft noch von denen Hofmannsthals durcheine eigene unverkennbare und unwiederholbare Seelenhaltung: der einesJungen gefangenen Fürstenkindes, wie er es selber in einem später ver-öffentlichten Sonett (III, i—2) gezeichnet hat: das mit der Müde undTraurigkeit alter Geschlechter beladen ist, aus der Fremdheit des Zu-
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