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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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chen Ansichten, wie sie die erste ausgesprochen hatte, wurde die zweiteFolge eröffnet. Trotz der wachsenden Bekanntschaft in größeren Kreisendes Schrifttums schien den Blättern die Sorge um eine weitere Verbrei-tung müßig, solangedas Künstlerische in der Dichtung besonders vomjüngeren Geschlecht gestandenermaßen hintangesetzt und verwahrlost"wurde. Um so ernstlicher wollten sie, wie eine kurze Vorrede betonte, vonihrer kleinen Arbeiter- und Leserschaft aus auf die Forderungen der dich-terischen Erziehung und des Geschmackes hinweisen und nach jener höch-sten Freiheit der Bewegung streben, woraus erst das Werk entsteht (II, i).Mit einigen bohrenden andeutenden Sätzen, densibyllinischen Zeichenaus denen die Jugend ihre tiefste Anregung empfängt", setzten sie sichmit den Strebungen und Schlagwörtern der Zeit auseinander, verwiesenden Begriff des Niedergangs (Dekadenz) in das Gebiet der Heilkunde, dieRomane in das Gebiet der Berichterstatterei, wo ihnen immerhin ein ge-wisser zeitgeschichtlicher wenn auch geringerer Wert als der der Tages-blätter, Richtverhandlungen und behördlichen Erzählungen zukomme, undwarnten vor allen Fremdwörtern, unter denen sich leicht das Leere undUnzulängliche verberge:Wenn ein Satz, der eines solchen Wortes nichtentbehren kann, fortfällt, so wird weder Sprache noch Gesellschaft da-durch einen Verlust erleiden". Diese und noch einige anderen abgrenzen-den Sätze über den Schauspieler und den Kunstrichter sind heute nacheinem Menschenalter noch ebenso gültig und wichtig wie die bejahendenÜber das Kunstwerk. George, denn wir erkennen oft seine Tatze an derPrägung der Sätze, schied schroff zwischen älterer und heutiger Kunst:»Wir wollen keine Erfindung von Geschichten sondern Wiedergabe vonStimmungen, keine Betrachtung sondern Darstellung, keine Unterhaltungsondern Eindruck. Die älteren Dichter schufen der Mehrzahl nach ihreWerke oder wollten sie wenigstens angesehen haben als Stütze einer Mei-nung: einer Weltanschauung wir sehen in jedem Ereignis, jedem Zeit-alter nur ein Mittel künstlerischer Erregung. Auch die Freisten der Freienkonnten ohne den sittlichen Deckmantel nicht auskommen (man denkea n die Begriffe von Schuld usw.), der uns ganz wertlos geworden ist.

Drittens die Kürze rein ellenmäßig die Kürze". Bis zu der jüngsten»Weltanschauungskunst" war hier jede Sinngebung der Kunst aus an-deren Gebieten verurteilt, jeder Überwurf, jede Zweckhaftigkeit außerl hrer selbst verworfen: das Gedicht sei nur zum höchsten geistigen Ge-nüsse da, eine Zweckdichtung gäbe es ebensowenig wie ein Zweckgemäldec der ein Zwecktonstück. Nicht aus der Begrenztheit oder Teilhaftigkeitder Kunst sondern aus ihrer allumfassenden Kraft wollte der Werker sier ein und in ihrer Reinheit der höchsten Wirkung fähig machen. Kunstwert

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