ten Dinge" noch einmal ahnen ja ihm lockend erscheinen läßt, wie demBarbaren die Töchter und Schätze von Byzanz.
Mit dem „Garten der Erkenntnis'", den er 1895 m einem Berliner Ver-lage veröffentlichte, der „grundsätzlich" keine Poesie aufnahm, beschloßAndrian seine Jugendblüte. — Es war ein Werk, das wie seine Gedichteaußerhalb des gewöhnlichen Literaturbetriebes stand und stehengebliebenist, weil es von der neuen Dichtung jenen Abstand zum Leben, jene geistigeFerne von der nackten Tatsächlichkeit mitbekommen hatte, die der bür-gerliche Zeitgenosse nicht verstand. Es gibt auf kaum vier Bogen ein inseiner Art einziges seelenhaftes Bild einer Stadt: dieser bestimmten StadtWien in dieser bestimmten Schicksalsstunde, als sie eben noch den ganzenStolz und Reiz ihrer Überlieferung und schon den Endhauch vor dem Er-löschen in ihren Mauern fühlte, als ihre Musik noch von den Resten derhohen Meisterzeit um die Wende des 18. und 19. Jahrhunderts zehrte unddie lockenden wiegenden Töne noch das tägliche Leben ihrer Bewohnerbis in die Weinberge vor den Toren ihrer Stadt wirklich mitbestimmten,als ihr Burgtheater, das dritte der großen von Weltberühmtheit neben derSkala in Mailand und der Comedie in Paris, noch unmittelbar in das Da-sein seiner Bewohner wirkte und das Auftreten eines Schauspielers in einerneuen Rolle ein Ereignis von wesentlicher Bedeutung für die Wiener war.In dem vergeblichen Suchen Erwins nach dem Geheimnis des Lebens ver-fingen sich noch alle Bilder des Wiens der heiteren Anmut und des leich-ten Lebens, der Keckheit seiner jugendlichen oft knabenalten Schriftstel-ler, der Freude an festlichem Kult und an fröhlicher Feier, verfingensich auch mit zynischem Witz und Selbstspott die Ahnungen vom Ende,das müde Sich-Beugen unter veraltetem Priesterregiment, der Zweifel ameigenen Können und die erschauernden Blicke in die Seelengründe undSeelenwinkel, aus deren Labyrinth es keinen Ausweg mehr gab als frühenVerzicht oder frühen Tod. Erwin, das Narcissus-Sinnbild der schönenStadt, stirbt diesen Tod, Andrian nahm den Verzicht auf sich. Denn vordem Weitergehen im geistigen Bereich, als die Kraft erlosch, vor dem Ab-gleiten ins literarische Geschäft bewahrte ihn mehr noch als Stand undReichtum der Stolz und die Sauberkeit seiner Natur: er wählte die tüch-tige Arbeit des Amtes und ließ schön zurück was einmal schön inihm war.
Für die Blätter wurden alle diese Erweiterungen des Georgeschen Le-benskreises sofort fruchtbar: zu den früheren Mitarbeitern traten schonvom ersten Bande der zweiten Folge ab, der im Januar 1894 erschien,Klages und Andrian mit ihren Beiträgen, denen Wolfskehl und andereim Laufe des Jahres folgten. Mit unveränderter Führung und den glei-
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