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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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kluge ja listige Augen mit etwas schwimmendem Blick und die Ober-lippe zierte ein für die jugendlichen Mienen überkräftiger Schnauzbart.George traf im gleichen Jahre noch einmal in Wien mit ihm zusammen, alsAndrian eben seine ErzählungDer Garten der Erkenntnis" vollendete,dann sahen sie sich nicht mehr wieder. Andrian trat in den diplomatischenDienst und ging bald ins Ausland. Sein Name wurde im Weltkriege nochals der des Gouverneurs in dem von Österreichern besetzten russischenGebiete genannt. Der fromm gewordene Staatsmann blickte auf seineDichtungen wie auf Jugendsünden zurück, aber nach dem Kriege gab erin einer jener unerklärlichen Wallungen, die in den Jahren der Erschütte-rung viele ergriffen, seinenGarten" und seine Gedichte nochmals her-aus, die letzteren mit nicht immer glücklichen Zusätzen und Änderungen.Sie fanden in dieser neuen Form so wenig Widerhall bei der Menge wiee in Vierteljahrhundert vorher und Hermann Bahr, der dem jugendlichenHofmannsthal die große Zukunft vorausgesagt hatte, irrte sich ganz überAndrian, dessenGarten der Erkenntnis" er damals einen Widerhall inganz Europa verkündete. Solche Werke sind stets nur von den wenigengeschätzt und geliebt worden, die in ihnen nachfühlend das innersteSchicksal einer Lebensgemeinschaft spüren: hier das des alten Österreich°der genauer des alten Wien. Schuler hat diesen Andrian schwärmerischverehrt, weil er aus ihm dieWiener Essenz, die noch schöpferische Sub-stanz der Hofburg" spürte, Verwey widmete ihm eine lange BesprechungUnd zeichnetedas Leben eines jungen Wieners im letzten Viertel desx 9- Jahrhunderts", jene brüchig gewordene Einheit von Alltag und Le-benswunder mit leisen Strichen nach.

George hatte in den ersten eingesandten Gedichten das Artvertretendedes jungen Dichters an der Absichtslosigkeit seiner Äußerung erkannt:s ie waren das noch unbewußte Blühen einer eben auf der Schwelle des Er-wachens stehenden jungen Seele, von geringerer Könnerschaft, aber auchWenigerLiteratur" als die Dichtungen Hofmannsthals, im Ton nochz arter als dessen Verse aber von größerer seelischer Bewegtheit und einerfast unerklärlichen feinen Stofflichkeit, die sie heute noch erregender er-scheinen lassen als die seines größeren Mitbürgers. Die Natur hatte sich*n ihrer spielenden Willkür eine junge überempfindliche Knabenseele aus-gesucht, um eine kurze reizvolle Blüte in ihr hervorzutreiben und ihr dannein Weiterblühen zu versagen: das ist Andrian. Die wenigen Gedichtev on ihm vereinigen die Anmut der Jugend mit der schwanken Zier derSpätzeit. Sie halten damit eine menschliche Weltminute fest, die zwischenalternder Zeit und jugendlichem Leben an jeder großen Wende pochtü nd die dem frischen Eroberer auch den versinkendenReiz der verwelk-

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