Flügen und Stürzen füllte die Tage und Nächte des Unermüdlichen, Men-schenhungrigen aus und mit vollen Händen unbekümmert um Verderb,Mißbrauch oder Aufgang der Saat schüttete er die Schätze seiner reichenNatur in Gute und Schlechte: wer nicht faßte oder in jugendlichem Ver-trauen zu viel verschlang, verdarb daran, wer faßte und in seinen Wirbelnfeststand, wurde reich daran. Ihn selbst konnte nichts vernichten, solangseine Bahn um die einmal gefundene Mitte kreiste, mochte er bis an dieäußersten Ränder schweifen, in Gluten des Rausches, in Gründe des Ekelstauchen, er faßte immer wieder den letzten Zipfel des Schleiers und ret-tete sich ins dichterische Gebild. Er hat tausend Menschen verschlungenund sich nicht übersättigt, tausend Abenteuer bestanden und sich nichtverzehrt, tausend Richtungen der Kunst geliebt und sich nicht vertan —seine Kraft, seine Liebe, sein Urteil kehrten immer wieder heim und blie-ben im Kerne heil. Man hat in vielen Schlüsselromanen die Seltsamkeitseiner äußeren Erscheinung geschildert, die ein wenig stockende stot-ternde Redeweise, die ewige Hast seiner bewegten Glieder, die Übersteige-rung all seiner Urteile über Menschen, die er unglaublich schön, bevor seinkurzsichtiges Auge sie recht gesehen, unglaublich gescheit fand bevor seinschneller Geist ihnen Ruhe zur Äußerung gelassen hatte. Aber dieseSchreiber haben nur die skurrile Seite seines Wesens beachtet und selbstvon seiner körperlichen Gestalt ein falsches Bild gegeben, weil ihnendie Fähigkeit mangelte sein echtes zu sehen: dieser hohe breitgefügte Kör-per war von einem wühlenden Fieber bewegt, das nie ermattete, dieseskräftige Haupt, das er oft stolz und jäh zurückwarf, so daß die schwarzenLocken von der hohen weißen Stirn zurückflogen, war von einem Wissenberauscht, das die Besten bannte und in Atem hielt, dieses halbblindeAuge war von einem Feuer durchglüht, das sich an der Schönheit ent-zündete und vor der Meduse des Grauens nicht bebte, dieser in der Früh-zeit von bräunlichem Bart umrahmte üppige Mund schwoll stets vondrängenden Worten über, die schmeicheln, verführen, bezaubern konntenUnd mitrissen in die Rätselfragen der Wüsten- wie der Mitternachtsonne,die aber niemals Öffneten, was verschlossen bleiben, niemals ein Geheim-nis verrieten, dessen Bewahrung dem neuen Leben dienen sollte. Ausdem flackerigen Studenten, dessen Gaben noch schlummerten, wurdeUnter Georges Händen jenes Wesen, das in Jachheit und Glut seiner RedeUnd Gebärde am ehesten an die Propheten seiner Rasse gemahnt, getränktfnit dem Wein des heiligen Zornes und giftigen Ekels aus allen Bechernder Zeit bis auf unseren Tag.
Zu diesen beiden, die so erst wurden, trat im Dezember Alfred Schu-ler. Wird man es wieder Zufall nennen, daß Georges erste Wohnung in
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