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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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derBlutwoge" des Dichters getränkt zu schönerem Leben auf undGeorge suchte ihn von den neuen Gefährten am liebsten und häufigsten.Karl Wolfskehl, den George einen Monat später sah, war 1869 in Darm-stadt geboren und hatte dort das gleiche Gymnasium besucht, ohne daßdie durch eine Klasse getrennten Schüler sich berührten. Als er Ende desJahres 1892 in Gießen, wo er das Studium der Germanistik betrieb, durchGeorg Edward die ersten Gedicht- und Blätterbände kennenlernte, erfaß-ten die Gedichte Georges ihn augenblicklich und dieser erste Eindruck warbestimmend für sein ganzes Leben. Das geformte Wort Georges war durchdie ihm innewohnende Haltung Entscheidung heischend vor ihn getreten:Ohne alles vergleichende Werturteil", so schreibt er selbst,ja ohneauch nur an persönliche Vorliebe, Wesensverwandtschaft mit mir selbstoder irgendwelche näheren Zusammenhänge zu denken, war mir mit einemMale klar geworden, was mit mir, mir selber los sei, wohin ich selber ge-höre, was von da ab mein Leben zu bedingen habe.-------Plötzlich war die

Welt zwar nicht .vollkommen', aber sie hatte einen Sinn erhalten, manwußte warum man da war und zu welchem Ende" (Liter. Welt, Juli 1928).Bei der ein Jahr später folgenden persönlichen Bekanntschaft wirkte dieEinheit von Träger und Werk, die jeder davon Berührte auf allen Lebens-stufen des Dichters mit gleicher Macht erfuhr, auch auf Wolfskehl mitder Gewalt einer höheren bisher ungekannten Menschlichkeit und währenddes ersten Jahres seines Münchener Aufenthaltes, wo er gewöhnlich zwei-mal in der Woche mit George allein zusammen kam, überließ er sich ganzdem Zauber dieses Geistes, der ihn aus allen gewohnten Regungen riß undihm das Auge für niegeahnte Bereiche des dichterischen Schaffens öffnete.Wolfskehl war eine spät zu Reife und Einheit kommende Natur, weil seinAnteil sich nicht einem sondern vielen Gebieten des Lebens und Wissenszuwandte: ihn erfüllte ebenso die flammende Neugier nach der Fülle derErlebnisse wie der brennende Eifer nach der Tiefe des Wissens, keine Engenoch Weite, keine Höhe und keinen Schlund wollte er unbesucht und un-versucht lassen, an jeder dunklen Stelle und jedem unvollkommen über-lieferten Bruchstück der Dichtung mußte er seinen Spürsinn üben, eingroßes Wissen um alle Zonen des Schrifttums befähigte ihn zu verglei-chender Erklärung, wie sie wenigen Sonderkennern der gleichen Zweigezu Gebote stand. Die ganze Spanne zwischen Bibel und Edda, zwischendem Hildebrantslied und dem Allerneuesten des Tages suchte sein uner-sättliches Verlangen nach den verborgenen Schönheiten und Rätseln dich-terischer Gebilde zu durchdringen, aber nur selten und spät von äußererNot getrieben, faßte er etwas von diesem Wissen in kurzen Einzelstudienzusammen. Denn das gesellige Leben mit all seinen Leiden und Freuden,

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