München der Schulers schräg gegenüber lag? Es ging schon die Redeum ihn in einem Kreis von unbeträchtlichen Genossen, die ihn für geistigschwer gefährdet erklärten. Es war kein Neuling sondern ein schon ineigener Esse Geformter, ein Mann am Ende des dritten Jahrzehnts, einSonderling, den nur eins erfüllte, der blieb was er war und dennoch nurweiterlebte und als menschliche Erscheinung sichtbar wurde, weil Georgeihn traf und ihm die Luft zu atmen gab. Er war im Jahre 1865 in Zwei-brücken geboren, ein katholischer Pfälzer und Römererbe aus der Stadtder Bipontiner Ausgaben, von knapp mittelgroßer untersetzter Gestalt,hatte die Züge des männlichen Goethe an seinem schöngeformten breitenHaupt mit der hohen mächtigen Stirn und den großen wenn auch hellerenAugen, auf deren Grund eine dem Olympier fremde Schwermut lag. Dochwechselte er in Haltung und Gebärde blitzschnell sein eigenes Bild, glicheben im Gehen und Sprechen einem katholischen Priester und erinnertegleich danach in plötzlicher Starrheit mit stummen unbeweglichen Zügenan die Büsten römischer Kaiser — zwei Menschenarten also, die bei allerFerne doch aus einer Wurzel kamen. Obwohl seine akademischen Lehrerihn sehr geschätzt hatten, hatte Schuler sein Studium der Archäologieschon frühzeitig aufgegeben. Er sah in den Archäologen nur grabschände-rische Schurken, die alles was heilig im Boden wirkte und im verborgenenDunkel noch menschliches Leben förderte, mit gewissenloser Absicht ansTageslicht heraufhöben und in den Museen zum wirkungslosen Schau-stück erniedrigten. Dieser sein Zorn gegen alle wissenschaftliche Neugierkam aus der Ehrfurcht gegen das einmal Versunkene, die auch dem anti-ken Menschen eignete, er kam mehr noch aus dem stolzen Gefühl, selbstder lebendige Verwalter des antiken Schatzes, ja der Erbe und spät infremder Zeit geborene Nachkömmling der Römer zu sein. Er trug seinhöheres Wissen von jener versunkenen Welt aus der Ahnenschaft ver-schollener Geschlechter lebendig im Blute, sah mit einem Blick aus über-kommener Schrift oder Scherbe die verlorenen Geheimnisse jenes Volkes,hob mit einem Wort die vom Schutt der Jahrtausende überdeckten Zu-sammenhänge ans Licht und weste mit keinem anderen Zweck im Kreiseblutverwandter Bilder und Gedanken, als um im eigenen Leben den Hauchdes römischen Lebens zu verspüren. „In Schuler" so schildert ihn Klagesspäter im Kosmogonischen Eros, „trat uns die unter Zeitgenossen wahr-scheinlich beispiellose, aber selbst in der .Weltgeschichte' sicherlich äu-ßerst seltene Erscheinung entgegen einer ganz unbezweifelbaren Wieder-kehr vormals gelebter Lebensschauer oder um deutlicher sym-bolisch zu reden, der Neueinkörperung von erloschenen Funken fernerVergangenheiten: welchem zufolge sein Träger sich niemals in Werken
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