wie er selbst es in den Abschnitten seines George-Buches „Die Wirklich-keit der Bilder" und „Intuitiver Stil" darstellt, daß im Werk des Dichtersder Trugschleier des Denkens zerrissen wird und „Konzeptionen keineDenkvorgänge und Kinder keine Allgemeinbegriffe sind", sondern daßaus der Rauschwoge des Blutes nach dem Worte Georges jenes „tief Er-regende in Maß und Klang" aufschäumt, und nur die schöpferische alleDenkdeutlichkeit verschmähende Entrücktheit das Urbild heraufführt.Klages lernte hier, daß nur der wahrhaft Gläubige, weil er Weltgeschehen^bt, um den Sinn des Weltgeschehens weiß, wie uns seine Worte über denDichter an die wissensstolzen Zeitgenossen bezeugen: „Was ihr unver-ständlich und verworren scheltet, ist es nur, weil eure Leiber nichtmehr sehend sind — weil ihr hinausgestoßen in die glutlose Helle des Ta-gesbewußtseins, Leichname der Abstraktion für Wirklichkeiten nehmt!Wem Linien nicht mehr klingen, Farben nicht duften, Töne nicht wärmen°der kühlen, wem nicht weissagend und dröhnend der Feuerkreis aus Blu-men und Sternen sich dreht, der höhne den Dichter lieber einen Wahnsin-ni gen als daß er mit Insektenblick seine Hautporen zähle, um ihn zu'begreifen'".
Aus dieser Sicht ins dichterische Werk erhielt die ihm eigentümlicheKraft der Zeichendeutung neue Befruchtung. Er erkannte, daß alles wasa n Zaubersprüchen, Mantik und Beschwörungen auf uns kam oder neuentsteht, ohne den Umweg über die unfruchtbare Zahl- und Regellust desVerstandes über den dorrenden Sand der Aufklärung aus Blutgrund und»Goldfeuchte der Scholle" in Wort, Gebärde und Gemeinschaft steigenmuß, um neues Leben zu zeugen. Aber freilich blieb ihm von diesem Be-zieh her aus der Eigentümlichkeit seiner nordischen Herkunft stets ein**ang ms Innerliche und Dämmrige, ins Weite und Gestaltlose, ins Vor-Ze itliche und Vormenschliche. Er wurde Gespenst und Schemen nicht los,S f iff immer noch lieber zum Zeichen des Lebens als zur lebendigen Gestaltu nd d er so senr um die Urkraft wußte und warb, scheute so sehr eine letzteEingabe an den erkannten und erschauten Träger der Urkraft, daß er jedewebende Näherung mit Flucht ins Einsame, jeden Vorstoß ins Gemein-same mit trotzigem Rückzug auf sich selbst bezahlen mußte. Er blieb dernorddeutsche Mystiker der das Aufgehen im All der Hingabe an diehöchste menschliche Erscheinung vorzog und wurde wieder, als jenesmißlang, der Vereinzelte und Protestierende, der noch vom DichtererbeZe hrt aber vergeblich mit den verhaßten und damals so geschmähtenMitteln der verstandesmäßigen Erkenntnis das Weltgeschehen zu fassensucht.
Damals in München blühte sein heller Geist und seine dunkle Seele von
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