nische Haltung und Weite der Sichten, erst in der Vertrautheit mit denKünstlern öffneten sich Klages die ästhetischen und philosophischen Ein-sichten, die er zuerst in seinen Prosastücken in den Blättern, in seinemWerke „Stefan George" und nach dem Verlassen der dichterischen Ebenein erkenntnistheoretischer Form für ein weiteres Publikum niederlegte.„Um das Geheimnis der Welt im Diesseits und im Leben erblicken" zukönnen, mußte er erst einen von den wenigen gesehen und erfahren haben,die wie er von George bekennt, „bis zur schaffenden Mitte des Lebensdringen" —, um die miteinander kämpfenden Urmächte der geschicht-lichen Menschheit erschauen zu können, mußte er erst, um in seinen Wen-dungen zu sprechen, „eine Seele kennenlernen, die dichtend lebt, derenLeib sehend ist", die die Pforten zur Urheimat der Seele wieder öffneteund das nagende Heimweh nach der Götternähe aus den Eisregionen desvergeisteten Alls zum ersten Male in verschlossenen Sigeln niederschrieb.Um dem Kennertum des heutigen Geistes und den toten Formeln der Wis-senschaft, wie seine Sehnsucht lautete, zu entgehen und die „im bildne-rischen Einzelwesen wirksamen allgemeinen Grundkräfte .., durch diees zwar zum scheinlosen Tropfen großer Geisterströme vermindert, aberauch erhöht wird zum Körper des Alls", zu erfassen, mußte er erst amGebilde, an der Form im sprachlichen Organismus lernen, daß im schöp-ferischen Rausch die Stromkräfte des Alls das Einzelwesen erschütternddurchfluten und in die Geburt des Werkes gebannt als dessen Substanz,als „seine bewußte zentrale Einheit" erscheinen: „einzige Trägerschaft",wie Klages sagt, „metrischer wie gedanklicher Oberflächen", aber aucheinziger Wissensquell von jenen allgemeinen Grundkräften des Alls undeinzige Ursache, weshalb „die dichterische Sprache das natürliche Aus-drucksmittel religiösen Menschtums ist".
Wenn Klages heute nicht mehr von diesen frühen Quellen seines Wis-sens spricht, so werden wir die Gründe dafür noch erfahren. Damalsherrschten in dem Anhänger des plattesten Rationalisten Dühring nochdie verstandesmäßigen Kräfte vor, aber wie schon die Liebhaberei derSchriftkunde andeuten mochte, hatte sein Geist eine Anlage, die denBewohnern unserer Norddeutschen Tiefebene eignet, die Welt undihre Geschöpfe in Zeichen zu sehen und zu deuten, seien sie sinnlicher oderübersinnlicher Art, Runen, Schrifthäkchen, Träume oder Gespenster. Vondieser Zeichensicht und -deutung her, zu welcher auch ein gewisser Grund-zug der deutschen Metaphysik hinabreicht, erhielt Klages einen Zugangzu den künstlerischen Sinnbildern, vor denen „die geglaubte Sachweltblaßt und zergeht im Glutringe mächtigerer Wirklichkeit". Durch die Ge-dichte Georges und dessen kurze andeutenden Prosasätze erfuhr Klages,
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